21. Tag – Getapet auf den Piz Boé (3152m) 

Strecke: Pisciadù Hütte (2585m) – Piz Boé (3152m)- Val Lasties (1857m) – Sella Joch (2183m) – Langkofel Scharte (2685m) – Langkofelhütte (2253m)

Mir ist kalt. Trotz Tee. Trotz drinnen sitzen. Hoffentlich dank Wolldecke bald nicht mehr. Ich werde heute trotzdem draußen schlafen, weil so kann das ja nicht weitergehen und ich denke immernoch, dass ich mich vielleicht einfach noch nicht wirklich dran gewöhnt habe… Die letzten zwei Nächte war es Wetter- bzw. Rückenbedingt richtig im Lager zu schlafen, aber jetzt ist eigentlich gutes Wetter und ich will endlich wieder Sterne sehen. 

Meinen Physiohelden, Thomas und Regine, zum Dank, geht es dem Rücken jetzt besser. Ich spüre es schon noch, aber Regine hat mich heute morgen noch getapet und das tut auch total gut.

Morgens beim Aufstieg kam ich am Rifugio Boé vorbei, einer wirklich schöne Hütte mit blauen Fensterläden die sich in ein Steinmeer schmiegt. Ich habe eine Runde Yoga gemacht und dann ging es rauf auf den Piz Boé. Vermutlich wäre es eine bessere Idee gewesen ganz früh dort hoch zu gehen, denn auch auf dem Gipfel tummelten sich schon die Massen. Trotzdem war der Rundblick mächtig und bis in die Magengrube strahlte ein tiefes Gipfelgefühl.

Dann ging es 1200hm bergab und per Autostopp rauf zum Sellajoch, weil ich keine Lust hatte 500 Höhenmeter neben Motorrädern, Wohnmobilen und Sportwägen auf der Teerstraße zu gehen. Von dort wollte ich eigentlich nochmal 500hm hinauf, allerdings habe ich mich angesichts der “cross country” Kinderwägen und “Mountainbikern” auf E-Bikes, die den Aufstieg zur Langkofelscharte bevölkerten für die Abkürzung mit der lustigen Sassolungo-Gondel entschieden. In dieser Gondel haben kaum zwei Menschen stehend Platz und um einzusteigen muss man Anlauf nehmen.

Oben angekommen habe ich die Toni-Demetz-Hütte gleich rechts liegen lassen (sorry Thomas und Regine, ich hoffe ihr habt einen schönen Abend da oben!!) und bin zur Langkofelhütte wieder 400hm abgestiegen. 

Jetzt habe ich Huuunger und hoffe inständig, dass die Portionen hier nicht so klein sind, wie man hört… Ich weiß, das war heute ein recht nüchterner Bericht. Nicht jeden Tag macht mir das Schreiben gleich viel Spaß. Aber meistens finde ich es ganz wunderbar, dehn Tag abends nochmal Revue passieren zu lassen.

20. Tag – Menschen nerven

Strecke: Schlüterhütte (2297m) – Furcella della Roa (2815m) – Piz Duleda (2909m) – Furcella Nives (2740m) – Puez Hütte (2475m) – Piz de Puez (2913m) – Forcella della Crespina (2528m) – Grödner Joch (2121m) – Pisciadù Hütte (2585m)

So sehr ich mich auf das draußen schlafen gefreut hatte, ich werde das heute nicht riskieren. Irgendwie hab ich gestern im Lager falsch gelegen und heute schon den ganzen Tag Rückenschmerzen unter dem linken Schulterblatt. Glücklicherweise habe ich hier auf der Pisciadù Hütte gleich Thomas und Regine kennengelernt, ein Paar, beide Physiotherapeuten. Was hab ich ein Glück, oder? Thomas hat jetzt alles versucht. Er hat meinen Rücken gerenkt, gedreht und gewrungen und ich glaube es wird jetzt langsam besser. Hoffentlich hoffentlich ist es morgen ganz weg, weil auf Dauer macht das Bergsteigen keinen Spaß so. 

Die Sicht vom Hüttenfenster hier ist unschlagbar schön. Die Hütte steht auf einer Hochebene, die einer Steinwüste gleicht. Rings um sind die hohen felsigen Gipfel der Dolomiten, die sich jetzt alle in ihrem rotes Abendlicht in den Himmel recken. Das ist es. Der Unterschied von den Dolomiten zu anderen Bergen: hier recken sich die Berge nach oben. Sie lagern nicht ruhend, sondern es ist als wollten sie immer höher hinaus. Ihre felsigen Schichten streben nach oben, als würden sie wachsen wollen. Aufgeschlossenheit nach oben. 

Hier unten habe ich heute wenig Aufgeschlossenheit erlebt. Menschlich gesehen, war es ein doofer Tag. Das fing schon morgens an, als sich ein Gast (mal wieder, das passiert echt oft in den letzten Jahren!) tierisch aufgeführt hat, weil er sein belegtes Brot vom Frühstücksbuffet nicht mitnehmen durfte. Ich verstehe nicht, warum die Leute das nicht begreifen. Es ist doch egal, wie viel oder wenig sie frühstücken: man nimmt sich auf einer Hütte nichts mit. Punkt. Die meisten Hütten bieten auf ihren Speisekarten ein Jausenbrot an. Und niemand muss das Frühstücksbuffet buchen. Der Typ regte sich dann noch auf, dass man den Wirten ja “ausgeliefert” sei, weil sie ja die Regeln machen. Ja was will der denn? Dann soll er doch verdammt nochmal im Tal bleiben, der Arsch. Oder mal ein paar Wochen auf einer Hütte arbeiten, dann kapiert er vielleicht was dort geleistet wird und dass man nicht von den Wirtsleuten erwarten kann, dass sie bei ihren 80 Gästen checken wer wie viel frühstückt und dass derjenige der weniger isst, dann doch schließlich “das Recht” habe, sich was mitzunehmen. Jedenfalls hat der Depp dann sein Brot noch vor Ort verdrückt und sich später auf dem Weg beklagt dass ihm jetzt schlecht sei… Eindeutig jemand, der die Welt ausschließlich aus seiner Perspektive sehen will. Das ist so fehl am Platz hier oben!  So. Die erste Aggro-Runde bin ich jetzt los. 

Aber kaum hatte sich mein Ärger auf dem schönen ersten Stück Weg von der Schlüterhütte zur Puezhütte gelegt, da ging der Massentourismus wieder los. Vermutlich von der Gondel die von Kolfuschg hoch kommt, pilgerten die Horden zur Puezhütte. Also mir entgegen. In Flip Flops, Turnschuhen und meistens mit kleinen Hunden in Handtaschen oder (tatsächlich!) in Hundetragekraxn. Ich hab gedacht ich seh nicht richtig. Aber Hunde am Berg dabei zu haben (und zwar alles vom Chihuahua bis zur Bulldogge) scheint eine italienische bzw. südtiroler Leidenschaft zu sein. Alles halb so wild, wenn sie dabei nicht in der Überzahl so fürchterlich schlecht gelaunt gewesen wären. Meistens hat sich mindestens ein Teil der jeweiligen Gruppe laut über irgendwas beschwert. Und gegrüßt wird selten. Anfangs habe ich noch (heroisch mir mein Thema “Aufgeschlossenheit” vornehmend) freundlich gelächelt und immer “Buon Giorno” oder “Salve” geschmettert. Irgendwann war mir das zu blöd. Man merkt hier sehr deutlich, wer öfters in die Berge geht, und zwar nicht nur an den Bergschuhen, sondern vor allem an dem respektvolleren Verhalten. Aggropunkt zwei. Sorry, zwei Weitere kommen noch.

Denn auch dieser Unterschied löste sich auf, als ich hinter dem Grödner Joch (ich hoffte dass es da besser wird) ein langes sehr steiles Geröllfeld (666) zur Pisciadù Scharte aufstieg. Mir entgegen kamen alle Klettersteiggeher im Abstieg (der Tridentina Klettersteig geht auf der anderen Seite um den Brunnecker Turm herum). Auffällig wenige trugen Helm, die Klettersteigsets waren oft von anno dazumal, aber dafür waren die Hosen (sehr wichtig…) extrem hochtourentauglich… Kinder mit Seil um den Bauch, haufenweise ängstliche Frauen die von entnervten Männern angeschissen wurden. Keine schöne Athmosphäre. Die italienischen Bergtouristen denen ich begegnet bin, sind grundsätzlich nie stehengeblieben oder auch küre auf die Seite gegangen, wenn man ihnen im steilen Aufstieg entgegenkommt. Wenn jemand an einer blöden Stelle stehen muss, oder Angst hat, versteh ich das. Aber völlig breit und bräsig haben die meisten Männer einfach erwartet, dass ich einen Bogen um sie gehe oder den Weg zumindest verlasse wenn sie kommen. Und dann auch noch ohne zu grüßen. Grrr. 

Letzter Punkt, aber der ist eher lustig: Ich bin besonders heute sehr vielen Paaren begegnet, die offensichtlich den München-Venedig-Weg gehen. Und ich beneide sie nicht. Man spürt den Pärchenstress quasi schon von 20 Metern Entfernung. Und dann denke ich mir wieder: wie schön, dass ich allein unterwegs bin und mein eigenes Tempo gehen kann und auch anhalten kann wann ich will, ohne dass daraus eine kleine Beziehungskrise erwächst… Ein Beispiel: ich habe ein Paar überholt, erst sie, dann ihn. Sie hat mich gehört und ging zur Seite. Als ich ein paar Schritte hinter ihm gegangen war rief sie genervt “jetzt lass die Frau doch mal vorbei”. Er ging zur Seite und sagte “Ja, und ich dachte noch, dass du das bist und hab mich schon gewundert, dass du au einmal so schnell gehst.” – Love is in the air…

So. Fertig aufgeregt. Jetzt freu ich mich auf Morgen, denn da drehe ich wieder nach Westen ab, weg von der München-Venedig Route. Und dann ist Montag und die italienischen Ferien sind vorbei. Wenn dann noch mein Rücken mitspielt, wird alles wunderbar.  

19. Tag – Regen, Hagel, Nebel 

Strecke: 0,02 km, 4hm… Schlüterhütte

Regen, Hagel, Nebel, Hagel, Nebel, Regen, Blitz, Hagel mit Nebel, Regen mit Hagel, Nebel mit Regen, Donnern, mehr Nebel. Wechsel zwischen zwei bis fünfzig Meter Sicht, dann wieder dicht.

Aber zum Glück alles nur vom Fenster aus beobachtet. Ansonsten: ein ausführliches Frühstück, nettes Geplänkel mit Bernhard, der hier arbeitet, eine heiße Schokolade, ein langer, fröhlicher, naher, manchmal melancholischer und schöner Chat, ein Mittagsschlaf, ein Blogeintrag über “Atmen” (ja, Nachtrag, findet ihr weiter unten am Ende der Etappe durch die Karnischen Alpen am 14. August), zielloses Blättern in Bergmagazinen, Recherche über Wetterkunde, Bergpflanzen und Tiere, ein großer Teller Pasta, ein kleiner Kurs in Social Media (die Rätsel von Instagram beginnen sich zu lüften), ein Zirbenschnaps und ein frühes zu Bett gehen mit gepacktem Rucksack für einen frühen Start zur doppelten Wegetappe morgen mit hoffentlich gutem Wetter.

Achja, und jetzt wenig weitere Schreiblust, falls das noch nicht deutlich war ;-).

18. Tag – Lazy friendly day

Strecke: San Martin de Tor – Würzjoch / Ju de Börz (2008m) – Schlüterhütte (2297m)

Es ist schon interessant, dass sich bei mir gerade jetzt, wo die Etappe mit dem Thema “Aufgeschlossenheit” beginnt, ein Bedürfnis einstellt, mich ganz in mich zurückzuziehen. Es ist sicher gut so, dass mein Thema dem auf eine Weise entgegenwirkt. Denn es bewahrt mich davor, zuzumachen und “seltsam” zu werden. Ich glaube auch, dass sich die Ruhe und die Aufgeschlossenheit keinesfalls wiedersprechen, sondern in ihrer Kombination eigentlich genau das sind, was ich gerne erreichen möchte. 

Heute wurde es mir leicht gemacht, mit Aufgeschlossenheit in den Tag zu gehen. Der Platz an dem ich aufgewacht bin war sehr schön und ich bin heute einfach mal länger liegen geblieben. Ich wusste ja, dass mein Paket erst zwischen 10 und 12 Uhr ankommt und als ich um 6 Uhr aufgewacht bin lag ich einfach lange da und schaute dankbar in die schönen Blätter und den immer dunkel blauer werdenden Himmel. 

Dann habe ich ausgiebig Yoga gemacht – und gemerkt, dass da doch ein paar tiefer sitzende Verklebungen lagern könnten, denen ich mich demnächst mal ausführlicher widmen sollte. Aber was texte ich hier von Verklebungen, wenn es draußen so unglaublich wunderschön ist. Ich war mal wieder ganz “betört” (ja, das Wort passt hier) als ich Nachmnittags über die Peitlerscharte kam und sich der Blick in die Puezgruppe (in die ich morgen aufbreche) und die Weite über das Alta Badia Tal auftat. Aufgeschlossenheit in Form von Landschaft. Der Weg zur Hütte war recht kurz und ich war schnell unterwegs und hatte große Lust an der Bewegung nach dem sitzenden Vormittag. Um 18 Uhr kam ich bei der Hütte an und das Licht kurz vor Sonnenuntergang brach in Bahnen durch eine kleine Gruppe Kumuluswolken, die noch am sonst blauen Himmel rumhingen. Das ganze Tal war in ein mattes, aber sanft strahlendes Licht getaucht, das Lust gemacht hat kopfüber hineinzuspringen. Stattdessen habe ich noch ein paar Sonnengrüße gemacht – es war die einzig mögliche Reaktion auf dieses Ausmaß an Schönheit, die mir in dem Moment einfiel.

Der Vormittag war ruhig und ich saß stundenlang auf der Terasse des Gasthaus Dasser. Morgens als ich rein kam, lernte ich gleich den Besitzer, Herrn Dasser kennen, der mich gleich auf einen Cappucino einlud und mit dem sich sogleich ein herzliches Gespräch über die Region, die Schönheit der Berge, Tourismus und Umweltschutz entwickelte. Auch Angelika, die Bedienung strahlte die ganze Zeit eine so freundlich ruhige Stimmung aus, dass sie sich auf alle Gäste zu übertragen schien. Zudem ist es sicherlich das Gemüt der Südtiroler, deren Sprache, das Ladinisch, ich heute viel gehört habe und die mir sehr gefällt. Ich wusste nicht, dass man auch in Südtirol diese rätoromanische alte Sprache spricht. Angeblich verstehen sich Südtiroler und Engadiner sogar, wenn sie jeweils langsam sprechen.

Es ist mir noch ein Anliegen über das Gasthaus Dasser zu erzählen und es wärmstens zu empfehlen. Es wird seit über 300 Jahren von der Familie Dasser-Trebo geführt und das Haus steht heute unter Denkmalschutz. Die alt-ladinische Bauweise ist aber nur eine der Besonderheiten in diesem schönen Hotel, das sicher zu den besondereren Hotels mit drei Sternen gehört. Obwohl ich nicht dort übernachtet habe, wurde ich sehr freundlich empfangen und bedient und Mittags habe ich ein köstliches Wienerschnitzel gegessen.

Morgen wird das Wetter schlecht. Alle Apps und alle Menschen sagen starke Gewitter voraus. Deswegen habe ich mir diese Hütte ausgesucht, weil hier gibt es WLAN und ich werde vermutlich noch einen Vormittag damit verbringen aus den großen Fenstern dem Gewitter zuzuschauen, und die Zeit mit Schreiben, Lesen und Nachdenken verdaddeln. Es gibt so viel zu tun, so viel zu lernen, so viel zu denken.

Gasthof Dasser in San Martin im Thurn
Peitlerkofel (2857m)
Hinten der Lasörling (s. Karte), da war ich letzten Sommer
Euphoriiiiiie
Kitschigstes Yoga ever… ein Traum

Die Ehrlichkeit der Felsen in den Dolomiten 

Ruhe. Heute fühle ich zum ersten Mal eine tiefe Ruhe in mir. Sie kommt langsam, und wenn ich da hinein spüre muss ich fast weinen, aber nicht weil ich traurig bin, sondern weil es so gut ist. 

Ich habe gesucht nach dieser Ruhe. Und alles Äußerliche ist so stark, wehrt sich so vehement gegen ein inneres Ankommen, dass es lange dauert.

“Ehrlichkeit” ist das Thema dieser Etappe durch die Sextener Dolomiten. Und das Thema steht in seiner Authentizität in einem starken Kontrast zu dem Trubel des Bergtourismus hier oben. Die Leute wandern ohne sich umzusehen, viele lassen ihren Müll liegen. Ich habe auf dem Weg von der Rotwandwiesenhütte bis zur Zsigmondyhütte eine ganze Tüte voll Kippen, Riegelverpackungen, Plastikflaschen und Taschentüchern eingesammelt. Es macht mich traurig, wie respektlos die Menschen hier mit der Natur umgehen.

Den Kontrast habe ich auch in meinem eigenen Verhalten gespürt. Ich habe langsam keine Lust mehr jedem der mir begegnet zu erzählen, was ich mache und wo ich hingehe. Es sind immer die selben Fragen, immer ein “oh” und “ah” oder eine Frage nach der Marke meines Schlafsacks, meines Rucksacks, meiner Kleidung. Anfangs hat mir das Spaß gemacht, diese Unterhaltungen zu führen, weil ich stolz bin auf das was ich tue und weil ich meine Ausrüstung zu schätzen weiß und gerne darüber fachsimple. Inzwischen fühlt es sich manchmal hohl an. Wie eine Zeitverschwendung. Zeit, die ich nun lieber mit Schauen, mit Nachdenken, mit Schreiben, mit Yoga verbringen will. 

Die Ruhe kommt durch diese Erfahrung. Ich beginne genügsamer zu werden, mit mir und mit meiner Umwelt. Das habe ich den Bergen zu verdanken, die in ihrer unglaublichen Kraft, Schönheit und Beharrlichkeit hier ruhen und mich als temporären Gast akzeptieren.

Abends habe ich auf einer Hütte noch mit einer Männergruppe einen Schnaps getrunken. Sie fragten mich aus zu der Tour und da war es, dass ich gemerkt habe, dass mir das antworten nicht mehr so viel Spaß macht. Dass mich aber auch das Nachfragen nicht wirklich interessiert. Ich bin sehr ehrlich geworden. Habe gesagt, dass ich die Tour auch mache um mich wieder neu zu zentrieren. Habe ihre Bierseligkeit ignoriert und einfach erzählt. Das war gut und hat fast ein richtiges Gespräch ausgelöst. Einer meinte, er würde sich wünschen er könne mit seiner Frau sowas machen, aber sie hätten jetzt ein Kind und da sei sowas nicht mehr möglich. Ich sagte darauf, dass es doch eine Frage des Standpunkts ist: ich hätte ja vielleicht gerne eine Familie, während er sich nach der vermeintlichen “Freiheit” sehnt. Auf Englisch sagt man “the grass is always greener on the other side of the fence”. Das stimmt. Allerdings mag ich mein grünes Gras hier oben gerade sehr und will wirklich im Moment über keine anderen Zäune klettern als über Kuhgatter.

Ich will versuchen noch mehr Distanz zu den Hütten zu wahren. Es war gut, für die Eingewöhnung, in der Nähe von Hütten zu übernachten. Und wenn das Wetter es fordert, werde ich das natürlich auch weiterhin machen und ich werde auch weiter einmal am Tag warm essen. Aber ich will mehr Zeit für mich verbringen und weniger in den ewig gleichen Hüttengesprächen. Ich will endlich anfangen, mir mit den Sternen Zeit zu nehmen. Bis jetzt bin ich immer spätestens nach der zehnten Sternschnuppe eingeschlafen. Ich freue mich auf die nächste Etappe. Sie heißt “Aufgeschlossenheit” und geht durch die Puezgruppe, das Sellajoch und bis zum Rosengarten in den westlichen Dolomiten.

Autostopp zu Etappe 4 durch’s wunderschöne Alta Badia
Kurze Mittagspause mit freundlicher Gesellschaft
Ballermann an den Drei Zinnen
Alpinisteig zur Zsigmondyhütte
Klettersteig zur Sentinellascharte
Sentinellascharte mit dem winkenden Steinmännchen
Elferscharte
Das Geröllfeld dessen weglose Querung mir nach dem Steinschlag doch zu heikel war
Gipfelpanorama von der Sextener Rotwand
Sextener Rotwand Gipfel
Ich liiiiebe meinen Schlafsack, er hat mich noch nie im Stich gelassen (Mountain Equipment Glacier 600SL women)

17. Tag – Drei Zinnen und Alta Badia

Strecke: oberhalb der Zsigmondyhütte (2224m) – Büllelejochhütte (2528m) – Dolomiten Höhenweg (105) – Forcella de L’Arghena (2087m) – Misurinasee (1754m) – Autostopp bis St. Martin de Tor (Südtirol)

Es ist ein langer Weg gewesen bis hier an den Tisch der kleinen freundlichen Pizzeria in St. Martin de Tor. Aber es hat sich überhaupt nicht lang angefühlt. 

Die letzte Nacht war kalt und unangenehm. Der Schlafplatz war etwas schief, im Dunkeln habe ich einfach keinen guten Platz gefunden. Zudem war der Wind echt stark und zum ersten Mal war mir richtig kalt nachts. Ich bin morgens schon um 6 Uhr einfach gleich losgelaufen, um warm zu werden. Um kurz vor 7 war ich dann bei der wirklich wunderschönen und klitzekleinen Büllelejochhütte, wo ich erstmal in der ersten Morgensonne ausführlich Yoga gemacht habe, was unglaublich gut getan hat. Währenddessen durften mein Schlafsack und Co auch sonnen und trocken werden.

In der Hütte waren unglaublich angenehme Wirtsleute, was nach den schlechten Erfahrungen fast aller letzten Hütten wirklich wohltuend war und so habe ich mir Kaffee und Spiegeleier gegönnt. Um 9:30 Uhr bin ich dann endlich mit trockenen Sachen und gut ausgeruht losgestartet und habe dann bis zum Misurinasee kaum angehalten… Ich wollte raus aus den Sextenern mit ihren unendlichen Touristenmassen. Natürlich sind die die Drei Zinnen eine Wucht, wie sie da gewaltig aus dem Schutt aufragen. Aber die Horden neonfarbener Italiener in Jogginschuhen, die sich laut und langsam die Hügel hinauf- und hinabwälzten und in den Klettersteigen Schlange standen veranlassten mich dazu selbst wie eine Japanische Touristin Fotos knipsend durchzujagen. Wirklich kein besonders einladender Eindruck.

Ich bin dann vor der Auronzohütte noch rechtzeitig nach rechts abgebogen und konnte glücklicherweise auf einem einsamen und schönen Pfad durch das Val de Arghena absteigen. Der Kulturschock am Misurinasee (Touristenbusse, Hüpfburg etc.) war nicht mehr so schlimm, weil antizipiert. Und dann ging die Tramperei los, die dieses Mal wirklich glimpflich verlief und ich bin schon um 18:30 hier in Sankt Martin im Thurn (oder San Martin de Tor) angekommen. Dieser ganze Ort strahlt Freundlichkeit aus. Im kleinen Supermarkt wurde ich sehr herzlich und persönlich behandelt und die Frau in dem Hotel an das Mira von Sport Conrad mein Paket mit Nachschub der leckeren Clif Bars für die nächsten Etappen geschickt hat, war so lieb und hilfsbereit mir Tips für schöne Schlafgelegenheiten im Freien zu geben (das Hotel ist ausgebucht). Heute freue ich mich wieder richtig auf das draußen schlafen, weil das Wetter toll ist und es an dem Fluss, der in der Nähe dieses Bergdorfes durch die traumhafte Landschaft fließt bestimmt sehr schön ist. Kalt wird es heute nicht werden, denke ich, dafür ist es jetzt noch viel zu sommerlich warm hier.

Und jetzt habe ich noch eine fantastische Kamut-Pizza gegessen und gönne mit ein Glas guten Weißwein. Also, mir geht’s gut!

Jetzt ist die 3. Etappe schon vorbei. Ehrlich aber kurz. Hoffentlich kommt morgen das Paket an, dann kann ich in Richtung Puez Spitze starten. Ich habe große Lust auf die Landschaft hier. Schon aus dem “Alta Badia” verliebt. Ich glaube das wird eine tolle Etappe (Thema: “Aufgeschlossenheit”), die mich jetzt erwartet.  

16. Tag – Fels, Scharten, Weitsicht

Strecke: Rotwandwiesenhütte (1900m) – Gamssteig – Elferscharte – Sentinellascharte (2711m) – Alpinisteig – Zsigmondy-Comici-Hütte (2224m)

Heute geht es mir wieder gut. Dafür bin ich dankbar. Es war gut gestern auf der Hütte zu schlafen und nicht draußen. Ich war nach dem schlechten Tag gestern nicht ganz sicher ob ich krank werde, und da wäre eine kalte Nacht draußen kontraproduktiv gewesen. Jetzt weiß ich: Ich bin gesund. Pumperlg’sund. Und gerade im Regen auf der Zsigmondyhütte angekommen. Es war ein guter Tag bis jetzt und vielleicht gehe ich auch noch ein bisschen weiter bis zur Büllelejochhütte.

Nach dem Aufstehen habe ich erstmal ein bisschen Yoga gemacht. Zugegeben, zu kurz, aber dafür sollte heute ja auch nochmal Zeit sein, denke ich. Auch mit einem Frühstück den Tag anzufangen war richtig. Es ist schon auch mal was wert, ich seh es ja ein. Gestern hat der Kaffe einfach gefehlt…

Ich bin zusammen mit drei netten Menschen losgegangen und es war schön sich unterwegs ein bisschen zu unterhalten. Ich habe es langsam angehen lassen, mich nicht gestresst, aber bald wieder gefühlt wie meine Energie zurückkommt. Zuerst sind wir bis zur Elferscharte aufgestiegen und dann fälschlicherweise Richtung Sentinellascharte abgebogen. Aber der Umweg hat sich gelohnt: die Sentinellascharte und der Ausblick waren wirklich beeindruckend und oben auf dem Fels stand ein witziges winkendes “Männlein” aus Fels, das ich sehr sympathisch fand.

Der Alpinisteig ist wirklich unschwierig zu gehen, windet sich aber als imposantes Horizontalband wie auf einer Aussichtsterasse an den Nordabstürzen des Elfers entlang. Wegen dem sich zusehends verschlechterndem Wetter (das Licht wurde ganz gelb) bin ich durch den Steig durchgespurtet, habe nur ein paar Bilder gemacht und kam dann danach auf dem letzten Stück über den Hochleist-Südrücken doch noch in den Regen. Also habe ich zur Hütte hinüber noch einen kleinen nassen Berglauf eingelegt und jetzt sich ich hier und draußen kommt gerade die Sonne wieder raus. Hm, ob ich doch noch weitergehe?

Ich freu mich auf die Zsigmondy-Pasta, es riecht hier sehr lecker. Und falls ich hier bleibe, werde ich wohl auf der überdachten Terasse hier schlafen, weil es Nachts bestimmt wieder regnen wird. Ist eh schön auf der Terasse.

Außerdem bin ich hier schließlich auf der Hütte die nach meinen Ur-Ur-Großonkels benannt ist. Emil und Otto Zsigmondy, zwei Brüder, die Ende 1880 hier die Erstbesteigung der dann nach ihnen benannten Zsigmondyspitze gemacht haben. 

Und morgen früh gehts dann weiter und ich habe eine lange Etappe bis hinunter zum Misurinasee vor mir. Vielleicht bleibe ich aber auch noch eine Nacht in der Cadini-Gruppe oberhalb des Sees und steige dann am Freitag in der Früh ab.

Nachtrag: Der Wirt auf der Zsigmondyhütte war blöd. Er sagte “da könnte ja jeder kommen”, als ich freundlich gefragt habe, ob ich auf der Terasse schlafen dürfe. Also bin ich noch ein Stück Richtung Büllelejochhütte gelaufen und schlafe jetzt hier auf einer Wiese zwischen Felsen mit einem funkelnden Sternenhimmel.

15. Tag – Es fühlt sich an wie Versagen

Strecke: Moos bei Sexten (1339m) – Rotwand Klettersteig – Sextener Rotwand (2965m) – Rotwandwiesenhütte (1924m)

Ich bin irgendwie schlecht unterwegs heute. Keine Ahnung was das ist, ist auch völlig unerwartet. Ich habe keine Ahnung warum mein Körper sich heute so schwer tut. Eigentlich hatte ich mich so auf die Dolomiten gefreut und war noch voll Vorfreude eingeschlafen. Aber schon das Aufstehen fiel mir schwer. Es war so gemütlich und warm im Schlafsack und der Wald war noch so schön ruhig… Aber für den Nachmittag war Gewitter angesagt (von dem hier jetzt keine Spur zu sehen ist, typisch Berge…) und ich hatte eigentlich den Plan nach der Sextener Rotwand noch den Alpinisteig zu machen und auf der Zsigmondy Hütte zu Abend zu essen. Stattdessen bin ich jetzt auf der Rotwandwiesenhütte und wenn der Wirt hier nicht so nett wäre, würd ich jetzt vermutlich irgendwo heulend meinen Schlafplatz suchen…
Aber stattdessen bin ich frisch geduscht (juhu!!), habe endlich mal alle meine Klamotten gewaschen und draußen aufgehängt und mir einen Zwiebelrostbraten bestellt. Ja, ich überlege sogar, ob ich mir hier einfach ein Zimmer leiste und die Sterne mal Sterne sein lasse. Also langsam geht was wieder bergauf. Und zum Glück heute nur noch mental.

Aber was ist eigentlich passiert? Nichts eigentlich. Das ist es ja. Aber schon der Aufstieg aus dem Tal hat sich anstrengender angefühlt, als er eigentlich war. Und der Zustieg zum Rotwandklettersteig bzw. die Strecken zwischendrin durchs Geröll, die waren echt unangebracht hart für mich. Dadurch war ich langsamer und das hat mich wiederum demotiviert. Der Klettersteig selbst war sehr einfach und eigentlich ganz schön, aber schon vor dem Gipfel hatte ich dann Kopfschmerzen und nur weil ich zu faul war heute morgen meine Trinkblase aufzufüllen hatte ich entschieden zu wenig Wasser dabei. Frühstück hatte ich vergessen (…) und so gab zumindestens der Clif Bar und Apfel ein bisschen mehr Energie.

Die Aussicht vom Gipfel der Sextener Rotwand war eigentlich sehr schön, aber nicht mal das hat mich wirklich gekickt. Und dann wusste ich ja, dass ich noch nicht mal die Hälfte der geplanten Strecke geschafft hatte. Beim Abstieg bin ich einem Pfad nach, der aussah (auch auf der Karte) als würde er unterhalb der Rotwand bis zur Elferscharte queren und man könne so direkt zum Einstieg des Alpinisteigs gelangen. Nachdem ich schon ein gutes Stück den unmarkierten Weg bergab gegangen war, verlor sich (oder ich) aber der Pfad und nachdem ein ordentlicher Steinschlag von oben aus der Wand heruntergehagelt war, habe ich dann entschieden nicht weiter zu gehen. Umkehren war natürlich auch nicht prickelnd. Der Rucksack fühlte sich auf einmal doppelt so schwer an und ich hatte soooo Durst. Wie dumm von mir, nach der nicht vermeidbaren Dehydrationserfahrung am Triglav nun eine so leicht zu vermeidende Dehydrierung zu riskieren. Naja. Richtige Entscheidung war es allemal, weil die sichere Variante. Nun verschiebt sich mein Plan ein bisschen aber vielleicht schaffe ich es ja morgen auch bis Mittags auf die Zsigmondyhütte und geh dann am Nachmittag noch weiter. Erstmal muss ich ordentlich dehnen, vielleicht eine Yin Yoga Session (schon viel zu lange her!) und dann vor Allem früh schlafen.

Noch gestern Abend dachte ich, dass es doch erstaunlich ist, dass ich bis jetzt keinerlei “Krise” hatte und alles so gut läuft und es mir auch energetisch so gut geht. Here we go. So schnell kann es gehen… hoffentlich ist es aber morgen besser.

Das Motto von dieser kurzen Etappe in den Sextener Dolomiten ist “Ehrlichkeit”. Ich war heute erstmal ehrlich mit mir: ich fühle mich nicht voll Euphorie und ich bin nicht unkaputtbar und ich bin nicht stark und ich bin nicht endlos fit. Nein. Ich bin schlapp und habe einfach keine Lust. So. Bam.

Ausatmen in die Weite der Karnischen Alpen

Der Karnische Höhenweg ist ein wahres Paradies des Atems. Man geht die meiste Zeit oben auf dem Grat der Karnischen Alpen entlang und man  hat einen unfassbar schönen Weitblick in beide Richtungen. Es geht immer knapp an der Grenze zwischen Österreich und Italien entlang und vorbei an zahlreichen Ruinen von Stellungen aus dem 1. Weltkrieg. Es ist schwer vorstellbar, wie Soldaten damals im Angesicht dieser Schönheit so einen fürchterlichen Krieg geführt haben, der vielerorts ein reines Massaker gewesen sein muss.  

Im Laufe der Etappe habe ich zusammen mit Katalin festgestellt, wie auf unserem Weg über die Berge ein paralleler Prozess des Atems im Körper und in der Wahrnehmung der Umwelt stattfindet. 

Wenn wir angestrengt bergauf laufen, sehen wir oft runter zu den Füßen, damit wir wissen wo wir hintreten und nicht stolpern. Zudem stellt sich hier eine Konzentration ein, ein Rhythmus durch die Betrachtung des Bodens, der das Vorankommen erleichtert. Das ist wie Einatmen, Sauerstoff aufnehmen, Kraft tanken. Dann bleiben wir stehen und sehen uns um. Nehmen wieder die immense Weite wahr, die in der Konzentration des Gehens manchmal fast in Vergessenheit geraten ist, und die uns die Aussicht in den Bergen oft ermöglicht. Es ist jedes Mal wie ein Seufzen, ein wohltuendes und notwendiges Ausatmen, das uns frei macht, uns öffnet, und Raum schafft für Neues.

Vor etwas über einem Jahr habe ich am Berg Thomas kennengelernt, mit dem ich heute Vormittag, während draußen der Nebel schwelt, lange hin- und hergeschrieben habe. Thomas ist Arzt, und er hat damals mit seiner Beschreibung einer Herz-OP einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen. Ich habe ihn gebeten mir zu erklären, was passiert, wenn wir atmen. Ich will versuchen das was er gesagt hat hier mit meiner Erfahrung durch die Berge in Zusammenhang zu bringen. Denn, wie schon oben beschrieben, fasziniert es mich, dass physische Prozesse im Körper oft Spiegel sind von Prozessen in der Umwelt. Die Verbindung zwischen diesen Prozessen zu erkennen, empfinde ich als sehr wertvoll.

Die Zellen in unserem Körper brauchen Sauerstoff, den sie durch das Einatmen bekommen. Aber es reicht nicht aus, nur zu atmen. Wir müssen Hämoglobin (Trägersubstanz) zur Verfügung haben, um den Sauerstoff im Körper transportieren zu können. Es ist also auch hier mehr nötig zum Leben, als zunächst offensichtlich. Das Äußere (hier: Atmen) und das Innere (hier: Hämaglobin) braucht sich gegenseitig – muss miteinander in Wechselwirkung treten. 

Beim Einatmen entsteht durch die Erweiterung des Brustkorbs, sprich durch die Rippen mit ihren zwischenliegenden Muskeln und dem Zwerchfell ein Unterdruck im Brustraum. Folglich strömt Luft hinein und der darin enthaltene Sauerstoff wird an das Blut gebunden. Mit jedem Einatmen beginnen wir auszuatmen. Mit jeder Vollendung eines Schrittes, beginnt schon ein Neuer. Das klingt so selbstverständlich und doch finde ich es wichtig sich immer wieder bewusst zu machen, dass es um die Verbindung zweier Pole geht. Zwei Gegensätze die sich brauchen: Schritt und Blick, Innen und Außen, Ein- und Ausatmen.

Hier oben ist es leichter bewusst zu atmen. Ich spüre die frische Luft morgens beim Yoga bis in die Zehenspitzen in mich einfließen. Sie füllt mich, nicht nur mit Sauerstoff, sondern mit Freude. Mit Freude am Leben zu sein und das hier alles erleben zu dürfen. Und mit tiefen Dankbarkeit für die Gesundheit, die mir geschenkt ist.

14. Tag – Die beste Pasta. Basta.

Stecke: Obstanserseehütte – Sexten

Letzte Nacht war die erste in der das draußen schlafen echt beschissen war. Als ich mich in den Schlafsack gelegt habe, hat es schon leicht genieselt, ich dachte noch, dass es bestimmt gleich wieder aufhört. Dann bin ich eingeschlafen und habe nicht gemerkt wie es angefangen hat recht stark zu regnen. Als ich dann irgendwann von der Lautsatärke der großen Tropfen auf meiner Matte geweckt wurde, war die Mütze auf meinem Kopf schon klatschnass. Gesegneter Schlaf… Als ich Matte und Schlafsack hochhob, platschte ein Schwall Wasser auf meine Füße. Glücklicherweise war die Hütte ja nicht weit und so legte ich mich dort bibbernd in den Gastraum. Alles halb so wild.

Ansonsten war heute nur Abstieg und Abschied angesagt. Auf denn Weg kamen wir noch an der Südtiroler Alpe Nemes Hütte vorbei und ich habe mit Blick auf meinen Gipfel von Morgen (Rotwand) die beste Pasta mit Ragout seit ich mich erinnern kann gegessen. Außerdem gab es vom Wirt selbst gemachten Ricotta, den er vor Energie strotzend und stolz anpries. Sehr empfehlenswert!

Katalin ist jetzt wieder heim gefahren und ich sitze in Sexten vor dem Büro der arroganten Bergführer und ärgere mich mal wieder ein bisschen über die Menschen im Allgemeinen und die “Bergprofis” im Speziellen. Aber die Details sind hier langweilig.

Wo ich heute schlafe weiß ich noch nicht. Aber das ist mir gerade auch egal, irgendwas wird sich ergeben und irgendwann werde ich irgendwo einschlafen. Ich mag es, das auf mich zukommen zu lassen.