Im Sommer 2021 folge ich zu Fuß dem massiven Gebirgszug des hohen Kaukasus von Ost nach West. Das höchste Gebirge Europas spannt sich auf über 1.300 Kilometern zwischen dem Kaspischen Meer und dem Schwarzen Meer auf und seine Gipfel erreichen eine Höhe von 5.600 Metern. Wenn alles nach Plan läuft, beginne ich meine Route in Baku (Aserbaidschan) am Kaspischen Meer und beende sie in Sochumi (Abchasien) oder in Batumi (Georgien) am Schwarzen Meer.

Schon lange fasziniert mich die Region in ihrer landschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Vielfalt, ihrer (geo)politischen Bedeutung und bewegten Geschichte. Hier wurde einst der Titan Prometheus an die sturmumtosten Felsen geschmiedet, nachdem er den Göttern das Feuer geraubt hatte, um es den Menschen zu geben. Allein in diesem Mythos steckt viel von der Kraft, dem Konflikt und der Symbolik dieser Region.

Update: Vermutlich wegen Corona wurde mein Antrag auf ein Visum von Aserbaidschan abgelehnt. Da es sich bei dem Land um eine Diktatur handelt, kommt eine Marketingpartnerschaft, die das Visum sicher möglich gemacht hätte, für mich nicht in Frage. So fällt leider ein großes Stück meiner Tour aus, aber damit musste ich rechnen. Umso mehr freue ich mich auf meine längere Zeit in Georgien. Ob eine Einreise nach Abchasien, am Ende meiner Tour, möglich sein wird, ist nach wie vor offen.

Der hohe Kaukasus liegt nicht nur zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer, sondern auch zwischen Europa und Asien, zwischen Russland und mittlerem Osten, zwischen Orient und Okzident. Schon im Altertum galt der Kaukasus als „Berg der Sprachen“, und noch heute werden im gesamten Kaukasus-Gebiet etwa sechzig verschiedene Sprachen gesprochen. Das vielerorts infrastrukturell oder gar touristisch noch völlig unerschlossene Gebirge birgt auch für mich als Bergsteigerin viele spannende Herausforderungen.

Entlang meiner selbst entworfenen Route werde ich weite Strecken weglos zurücklegen und die Nächte überwiegend im Biwak verbringen. Bei der Querung der immensen Gletscher und zur Besteigung einiger markanter Gipfel, wie dem Kasbek (5.033m) und dem Tetnuldi (4.858m), werde ich von lokalen Bergsteigern begleitet. Insgesamt beläuft sich der Anteil meiner Route, den ich zu Fuß zurücklegen möchte, auf etwa 1.440 Kilometer. Aufgrund der starken Zerklüftung der Seitentäler ergeben sich über 105.000 zurückzulegende Höhenmeter.