Trekkingnahrung in kompostierbarer Verpackung

Schon bei meinen letzten Projekten habe ich mich bemüht, unterwegs so wenig Müll wie irgend möglich zu produzieren. In den Pyrenäen habe ich zudem allen Müll, den ich unterwegs finden konnte eingesammelt. Und als ich kürzlich für eine Woche zum Training am Arlberg war, habe ich wieder einmal festgestellt, dass es fern meines verpackungsfreien Supermarktes gar nicht so einfach ist, unnötiges Plastik zu vermeiden.

Im Herbst habe ich in der Schweiz den irischen Expeditionskoch Kieran Creevy kennengelernt und daraus ist eine wertvolle, und auch menschlich wunderbare Zusammenarbeit gewachsen. Es macht Spaß mit Kieran zusammen kulinarische Pläne auszuhecken, denn wir teilen einen unerschöpflichen Tatendrang und die Fähigkeit zu schnellem und konstruktiven Handeln. Es klingt immernoch ein bisschen wie ein Traum, aber Kieran hat tatsächlich für mich persönlich Menüs entworfen, die nicht nur unglaublich lecker, nahrhaft und gesund sind, sondern die wir zudem aus lokalen biologischen Zutaten herstellen können. Wir haben uns im schönen Chiemgau getroffen um vier Tage lang drinnen und draußen zu kochen und zu kosten. Es war fantastisch und ich habe nicht nur viel und gut gegessen, sondern auch eine ganze Menge gelernt.

Die entworfenen Mahlzeiten werden jetzt von Kieran selbst in Irland gefriergetrocknet oder dehydriert um haltbar gemacht zu werden, ohne aber die wertvollen Nährstoffe zu verlieren. Ich stelle die Frühstücksmenüs her, sowie meine Snacks, wie Fruchtleder, weil das einfacher ist. Für mich ist Fruchtleder eine gesunde Alternative zu Gummibärchen, die mir sonst unterwegs immer fehlen. Die Herstellung von Fruchtleder kann wirklich erstaunlich einfach sein.

Hier ein Beispielrezept:

  • 1 Glas Apfelmus
  • 1 Glas Johannisbeermus, Birnenmus oder ähnliches
  • etwas Erdbeermarmelade (für die Süße)
  • abgeriebene Zitronenschale von einer Bio-Zitrone (für die Säure)

Alles zusammenmischen und auf Backpapier in einer ca. 5 Millimeter dicken schicht verteilen. Für 6 – 8 Stunden in den Dörrapparat, bis es trocken, aber nicht hart ist, dann einfach in Quadrate schneiden und einrollen. Köstlich!

Was die Geschichte perfekt macht, ist dass dann alle Mahlzeiten in 100% kompostierbaren Einzelverpackungen versiegelt wird. Wir haben genau recherchiert, dass es sich bei der von uns verwendeten Verpackung nicht, wie häufig, um reines greenwashing handelt. Die Verpackung zersetzt sich wirklich schadstofffrei unter den von mir benötigten Bedingungen.

Wenn ich bei meinem nächsten großen Abenteuer den Colorado River von seinem Ursprung in den Rocky Mountains, bis ans Meer in Mexiko begleite, muss ich unterwegs also kaum Müll produzieren und komme so meinem „zero-waste“ Ziel ein gutes Stück näher.

Source: https://www.tekpaksolutions.eu/

Schnell haben wir aber bei aller Euphorie festgestellt, dass es unrealistisch ist, in unseren kleinen Küchen alles Essen für drei Monate allesherstellen, hat Kieran mir zudem wertvolle Kontakte zu neuen Partnern vermittelt. Besonders freut mich die Kooperation mit Firepot Food, die mich mit weiteren Mahlzeiten ausstatten und die schon seit ihrer Gründung mit kompostierbarer Verpackung arbeiten.

Kieran wird auch unsere nächste Ausgabe der Mountain Yoga Sessions vom 24. – 27. Januar bekochen. Vier Tage lang wollen wir gemeinsam von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang die Berge von Südtirol genießen. Kraftvolle, dynamische Vinyasa-Sessions mit Yogalehrerin Sandra, und die Erkundung der wunderschöne Umgebung beim Winterwandern oder Schneeschuhgehen, und dabei sind wir in einem der ältesten Häuser Trafois untergebracht, einem urigen Haus mit Sauna, Yograum und Holzofen. Es gibt noch zwei letzte freie Plätze, also los, komm spontan mit!

Danke für die Fotos an Anne Kaiser

Unterwegs mit nachhaltiger Kleidung

Immer wieder erlebe ich in letzter Zeit ein Dilemma: als Bergsportlerin bin ich Konsumentin von Produkten einer Industrie, die an vielen Stellen in krassem Widerspruch zu eben der Natur agiert, in der ich unterwegs bin.

Ich bin Teilnehmerin der „Outdoor-Industrie“. Aber unter Industrie stelle ich mir düster rauchende Fabrikschlote vor, bei Outdoor denke ich hingegen an meine geliebten Berge, an das draußen sein, an frische Luft. Wie soll das zusammen gehen?

In meinem neuen Beruf als Autorin und gesponserte „Athletin“ stehe ich immer wieder in der Öffentlichkeit und werde anscheinend von dem Einen oder der Anderen als Vorbild wahrgenommen. Umso wichtiger wird für mich also die Frage: Was will ich hier eigentlich vertreten? Und was kann ich beitragen?

Bei meinen Partnern ist mir sehr wichtig, dass sie sich Nachhaltigkeit nicht nur auf die Fahne schreiben, sondern sich auch tatsächlich dafür engagieren. Dazu gehört sowohl ein ehrlicher und realistischer Umgang mit den Grenzen des aktuell machbaren, als auch die aktive Suche nach produktiven und innovativen Lösungsansätzen. Eigentlich ist es logisch, dass hierbei die Natur selbst das unerschöpflichste Vorbild und der inspirierendste Lehrmeister sein kann. Mein Partner Vaude hat das erkannt und kürzlich beispielsweise die kleine aber feine „Green Shape Core Collection“ herausgebracht. Sie ist „ecofair“, was bedeutet, dass sie von der Materialgewinnung bis zur Verarbeitung, also entlang der kompletten Lieferkette auf umweltschonende Prozesse und faire Arbeitsbedingungen achtet. 90% der vielfältigen textilen Materialien dieser Produkte sind biobasiert (z. B. aus Kapok, Rizinusöl oder Kuhmilch), recycelt oder reine Naturmaterialien und damit sogar kompostierbar.

Schon klar, da spreche ich natürlich jetzt über Produkte meines Sponsors, aber wenn ich das nicht toll finden würde, was die machen, dann wäre ich auch nicht da (!!). Und so bekomme ich diese Entwicklungen mit und es fasziniert mich, wie viel hier offensichtlich möglich ist. Sicher gibt es auch andere Firmen, die sich diesbezüglich engagieren.

Praktisch habe ich mich natürlich gefragt, ob diese Sachen auch die nötigen Funktionen erfüllen? Denn sonst wäre es natürlich eine schöne Idee, aber trotzdem witzlos. Aus der Kollektion von Vaude habe ich ein paar Teile seit ein paar Wochen in verschiedenen Situationen genutzt. So beim Snowboarden, Wandern, Langlaufen, Yoga und auf Skitour. Und diese vielseitige Nutzung ist Teil des Konzepts. Denn auch wenn es natürlich extreme Bereiche im Sport gibt, bei denen sich eine sehr spezifische Ausrüstung lohnt, so beschränkt sich das doch eigentlich auf Berufssportler. Mal ganz ehrlich: Wie oft bist du so extrem unterwegs? Und wieviel von deinem Bedürfnis nach der absoluten Topausrüstung entspringt eigentlich dem Wunsch so „extrem“ zu sein, oder sich darin eben noch wohler zu fühlen? Hast du schonmal den eigenen Konsum hinterfragt und herausgefunden, wie viel von der Begründung für die neue Jacke eigentlich in ihrem Style, einer weiteren netten Funktion oder dem Bedürfnis einfach mal wieder was Neues zu haben liegt? Ich bin davon ja auch nicht frei, in keinster Weise. Ich will schöne Sachen tragen, die gut funktionieren. Aber mein Bewusstsein für werthaltigen Konsum wächst mit dem Wissen über die Schäden, die unsere vielen Produkte für Mensch und Natur langfristig verursachen.

Ich selbst finde es tatsächlich nicht nur platzsparender und günstiger, sondern auch schlichtweg schöner, nicht fünf verschiedene Jacken zu Hause haben zu „müssen“. Irgendwie tut es gut, sich dem Wettlauf um höher, schneller, weiter zu verweigern und anstatt auf weitere Gewichts- und Wassersäulenoptimierungen lieber auf vielseitig einsetzbare, lang haltende und stilistisch zeitlose Produkte zu setzen.

Und das ist es, was mir an den Sachen gefällt. Egal ob in den Bergen oder in der Stadt: Sie fühlen sich auf der Haut ausgesprochen angenehm an, stinken nicht und sind auch nach der zweiten Wäsche noch gut in Form. Sie funktionieren bei Regen, Wind und Kälte, aber kommen auch mit der Hitze vom Körper bei Bewegung gut klar. Zu ihrer Haltbarkeit kann ich zwar noch nichts sagen, aber bisher bin ich zufrieden.

Bei meinen langen Projekten trifft es für den Inhalt meines Rucksacks meistens zu: weniger ist mehr. Das kommt zunehmend auch in meinem Alltag an und ich frage mich immer öfters bevor ich etwas kaufe, ob ich es wirklich brauche. Allein dadurch verändert sich schon meine Haltung und nicht zuletzt auch mein Haushalt. Für mich ist das ein logischer Zusammenhang: Wenn man gern draußen unterwegs ist, sollte man sich darüber Gedanken machen, was man dazu beitragen kann, dieses „draußen“, sei es am Berg, im Wald, auf dem Wasser oder in der Wüste, zu schützen. Und man merkt, wie wenig eigentlich notwendig ist.

Je größer mein Verständnis über das eigene Konsumverhalten wird, umso leichter fällt es mir, bewusster zu konsumieren und zu handeln. Denn der Zusammenhang zwischen allen Dingen und zwischen meinem Verhalten und den gesellschaftlichen Strukturen in denen ich lebe wird immer offensichtlicher. Ich empfinde es als sehr wertvoll, mich als Teil des ganzen zu verstehen und es bereichert mein Leben auf eine Weise, die mich glücklich macht.

Danke für die Fotos an Anne Kaiser

Auf zu neuen Abenteuern: Colorado River Expedition

Es ist schon eine Weile her seit meinem letzten Blogpost. Und ja, eigentlich schreibe ich hauptsächlich, während meiner Projekte, weil ich dann ganz unmittelbar erzählen kann.

Aber in der letzten Zeit erlebe ich dennoch auch in meinem Leben „im Tal“ viel Spannendes. Das habe ich nicht nur der Planung des nächsten Projektes zu verdanken, sondern auch meinem Vorsatz, dabei möglichst nachhaltig, umweltbewusst und auch klimaschonend unterwegs zu sein. In den kommenden Tagen schreibe ich also eine kurze Artikelserie zu ein paar interessanten Aspekten und teile meine Erfahrungen bezüglich nachhaltiger Outdoorausrüstung und -kleidung, der eigenen Herstellung von Trekkingfood in kompostierbarer Verpackung und den Konflikt der Klimaschädlichkeit mit Mobilität. Aber was hab ich da überhaupt vor?

Der Colorado River vom Ursprung bis zum Meer

Von Februar bis Mai 2019 folge ich dem 2.330km langen Colorado River von seinem Ursprung in den Rocky Mountains, durch die Feuchtgebiete, Canyonlands und Wüsten von Utah und Arizona bis ans Meer in Mexico. In den schneereichen Bergen Colorados beginne ich meine selbst gelegte Route zunächst mit dem Splitboard (Tourensnowboard). Später wechsle ich zu Packraft (aufblasbares Kajak) und Wanderschuhen. Auf meiner Strecke liegen einige der größten landschaftlichen Wunder des US-amerikanischen Westens, aber auch die Stätten der katastrophalsten aktuellen Vergehen an der Umwelt und indigenen Kultur in der Region.

Colorado River

Auch der Colorado River selbst birgt unzählige Geschichten. Für eine indigene Schamanin ist er ein heiliger Ort, für einen Cowboy ein lebenswichtiger Quell, für einen Staudamm-Bauer der Beweis des menschlichen Triumphs über die Natur und für Städter ein wertvoller Ort der Erholung. Als US-amerikanische Staatsbürgerin kann ich mich durchaus mit einigen Gesellschaftskonzepten des Landes identifizieren. Faszinierend finde ich beispielsweise die Utopie des „public land“, dem Land das „niemandem gehört“. Auf meiner Reise will ich herausfinden und dokumentieren, was für die Anwohner dieser Idee übriggeblieben ist und wie sie heute interpretiert wird.

Soweit für jetzt. Kurz bevor es losgeht werde ich das Projekt und meine Kooperationspartner dabei hier auch nochmal ausführlicher vorstellen