Über 50 % unseres Wassers beziehen wir aus dem „Wasserschloss“ Alpen, dem größten Süßwasserreservoir des Kontinents. Die Flüsse Inn, Iller, Lech, Isar und Rhein entspringen in den Alpen, und versorgen dann den Norden. Ich lebe direkt am Inn. Wasser fasziniert mich wie kein anderes Element. In der Betrachtung von Wasser komme ich innerlich an.

Wir brauchen – zumindest in meiner Heimat, dem Inntal – das Wasser aus den Alpen zum Leben. Wenn ich mir das bewusst mache, entsteht in mir eine diffuse Mischung aus Ehrfurcht, Sorge und Neugier. Ich merke, wie wenig ich über die Lebensader weiß, die mich mit am Leben erhält.

Vom Frühjahr bis zum Sommer 2026 begleite ich den Inn auf seinen über 500 Kilometern von seinem Ursprung in den Bergeller Bergen bis zu seiner Mündung in die Donau. Durch die Schweiz, Österreich und Deutschland.

Es gilt, die Hindernisse im Fluss zu erforschen und die Energie zu erleben, die das Wasser über so weite Strecken fließen lässt. Ich will verstehen, wie einst die Strömung und später die menschlichen Eingriffe die Landschaft rund um den Fluss geprägt haben. Ich will erfahren, vor welchen Herausforderungen die Wasserwege in Zeiten des Klimawandels stehen und wie es um die Versorgung mit Wasser für zukünftige Generationen steht.

Endlich bin ich wieder unterwegs, nach einer viel zu langen (Baby-) Pause, mache ich mich auf eine vielseitige Reise. Zu Fuß spüre ich den Quellen nach und erkunde bergsteigend die speisenden Gletscher bis hinauf zum Piz Bernina (4048m), den höchsten Gipfel im Einzugsgebiet des Inn. Mit dem Kayak oder Packraft komme ich – wo es im Rahmen meiner technischen Möglichkeiten liegt – der Perspektive des Inns so nah wie möglich. Mit dem Rad begleite ich die ruhigeren Passagen. Teils in Gesellschaft meiner beiden kleinen Kinder, die für mich eine unmittelbare und emotionale Verknüpfung zur Zukunft des Wassers herstellen. Unterwegs treffe ich Menschen, die mir ihre persönliche und wissenschaftliche Erfahrung zu den Alpen als Wasserturm vermitteln. Ein Hüttenwartin, die ihre 100 Jahre alte Hütte wegen Wassermangel 2023 schließen musste, eine Kayakerin und Aktivistin, die sich für den Schutz des Inn engagiert, einen Hydrologen, der in politischen Gremien für Wasserschutz einsteht, einen Skilift-Betreiber, der zukunftsfähige Lösungen sucht und findet, und viele mehr.

Unterwegs habe ich meine Falttastatur dabei um Eindrücke unmittelbar festhalten zu können. Authentische, detaillierte und persönliche Darstellungen sind mir wichtig. Die Wiedergabe wissenschaftlicher Inhalte muss nicht nur sachlich richtig, sondern vor allem gut verständlich sein. Visionen für die Zukunft sollen motivieren und aktivieren.

Den Fluss in Bilder zu bannen, die bewegen, das übernimmt Fotograf Peter Neusser. Ganz nah erlebt man durch seine Augen die Dynamik des Wassers, ganz tief gehen die Bilder zerstörter Landschaften, ganz weit machen die Perspektiven in die Täler, die der Inn schon vor Urzeiten gestaltet hat.

Unser gemeinsames Ziel ist es, ein gleichermaßen persönliches wie fundiertes Portrait von einem der Wasserwege zu zeichnen, die uns am Leben erhalten.

Es wird ein Buch entstehen (Malik Verlag, Frühjahr 2027), sowie Publikationen in Magazinen, Blogs und Podcasts. Eine DACH-weite, bildgewaltige Vortragsreise wird folgen.