Ziel

Von den Bergen kann ich unendlich viel lernen. Ich empfinde mich oft als Getriebene, und als ehrgeizige und auch leistungsorientierte Frau. Die professionelle Bescheidenheit, nach der ich strebe, kann ich besonders gut von und in den Bergen erfahren. Die Alpenüberquerung von Ost nach West im Sommer 2017 war für mich sicher eine der wichtigsten Erfahrungen meines bisherigen Lebens. Ich konnte Ruhe und Gleichgewicht erleben, habe aber auch schwierige Erfahrungen gemacht, die mich als Mensch und als Bergsteigerin weitergebracht haben.

Ich versuche dem Wettbewerb von außen („Bergsport“ heute) mit innerer Gelassenheit zu begegnen und trotzdem in Ruhe meine physischen Grenzen als Bergsteigerin zu erweitern. Ich will die Balance aus Ehrgeiz und Bescheidenheit finden. Und ich will Überblick und Achtsamkeit gleichermaßen üben.

Die Nächte draußen zu verbringen, ist einer der wichtigsten Aspekte bei meinen Projekten, da ich es so empfinde, nur dann hautnah alles um mich herum in mir aufnehmen zu können. Es ist einfach wunderschön und jedes Mal ein Erlebnis, auch wenn das Wetter nicht immer mitspielt. Den Elementen so ausgesetzt zu sein empfinde ich als sehr lehrreich, auch wenn ich bei schlechtem Wetter oder gar Gewitter natürlich jederzeit auch einen Unterschlupf oder eine Hütte aufsuchen würde. Bei dem Projekt „Ana’s Way West“ hatte ich das Glück zwei Monate lang fast jede Nacht unter derm Sternenhimmel zu schlafen, und es ist war nicht einfach für mich, nach der Rückkehr wieder Dächer über dem Kopf zu haben.

Ich habe unterwegs angefangen die Sternbilder zu lernen und freue mich darauf dieses Wissen bei den kommenden Projekten zu vertiefen. Früher orientierten sich die Menschen sehr stark nach Sternbildern. Heute nehme ich mir in meinem Alltag kaum Zeit, einmal nach oben zu blicken.

Ich sehe es seitdem als besondere Herausforderung, am Berg nicht zu übertreiben – ein Phänomen das ich unter Sportlern heute als sehr verbreitet empfinde. Anstatt immer schneller, höher und weiter zu gehen, ziehe ich es vor gesund, nachhaltig und verantwortlich unterwegs zu sein. Ich habe entdeckt, dass ich auf diese Weise am Besten meine eigenen physischen und mentalen Fähigkeiten erweitern kann.

Mir ist klar, dass ich unterwegs auch Fehler machen werde, und ich versuche aus diesen  zu lernen. Es geht mir aber unterwegs nie darum, möglichst krass oder möglichst schnell unterwegs zu sein. Mich interessiert weniger die Zahl, die neben einem Gipfel auf der Karte vermerkt ist, als das, was beim Anblick eines Berges in mir ausgelöst wird. Anstatt zu quantifizieren wieviele Kilometer und Höhenmeter ich zurücklege, versuche ich mehr darauf zu achten, was ich auf meinem Weg hinauf und auch wieder hinab erfahren kann.

Mein Ziel ist also, im Moment anzukommen und auch innerlich auf dem Weg zu sein.

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Ein Weg. Ein Ziel.