Geologie der Alpen

Ich freue mich sehr, dass meine Schwester Aurelia, Doktorin der Geowissenschaften, sich bereit erklärt kleine Beiträge über die verschiedenen Gesteinsformen in den Alpen und ihrer Geschichte zu schreiben. Bei den Beiträgen geht es weniger um eine wissenschaftliche Genauigkeit als darum einen Einblick in ein paar Interessante Hintergründe gewissen zu können.

Um sich zunächst einen Überblick zu verschaffen, empfielt Aurelia einen Blick auf die geologische Karte der Alpen.

Die Julischen Alpen
Es handelt es sich hier um Kalkformationen aus der Kreide (vor 201 bis 154 Millionen Jahren). Die Gesteine bildeten sich zu dieser Zeit am Grunde des Ozeanbodens (Penninischer Ozean). Der Kalkstein entsteht, wenn kalkschalige Organismen (z.B. Kalkalgen) die im Wasser leben absterben und nach unten auf den Meeresboden sinken. Wenn solche Ablagerungen dann unter höhere Drücke kommen, bildet sich der Kalkstein. Im Zuge der Alpenbildung durch die Kollision von der Afrikanischen – und der Eurasischen Kontinentalplatte wurde dieses Gestein nach Oben gedrückt. Das Gestein ist an manchen Stellen gelblich. Hier wurde der Kalkstein „dolomitisiert“, der Kalkstein wird also durch Dolomit ersetzt. Das passiert wenn der Kalkstein mit Calcium- und Magnesiumreichen Wässern reagiert.

Die Karnischen Alpen

Die Karnischen Alpen gehören geologisch zum Südalpin und sind vielen Geologen ein Begriff. Hier sind auf einzigartige Weise die Lebensräume aus Urzeiten (250 Millionen Jahre) von unterschiedlichen Meeres-Regionen (z.B. Rifflagunen, wie wir sie heue aus dem Great Barrier Reef kennen) oder aber Tiefsee-Ablagerungen aus kieseligem Material (Radiolarit siehe Foto mit dem roten Gestein und den hellen Äderchen) dicht nebeneinander auffindbar. Viele Fossilien sind erstaunlicherweise noch sehr gut erhalten, was bei der zu erwartenden Deformation im Zuge der Alpenbildung (irgendwie muss der Meeresboden ja an die Oberfläche gekommen sein) beachtlich erscheint. Besonders berühmt sind die Korallenriffe der Kellerwand- und Hohe-Warte-Region. Dass hier alte Tiefseeablagerungen neben tropischen Flachwasser-Fossilien vorkommen, verdanken wir tatsächlich der Tatsache das hier die Nahtstelle zwischen der Afrikanischen- und der Eurasischen Kontinentalplatte verläuft.

Abb.: Stark schematisches Ost-West-Profil des Südalpins, nach Bögel & Schmidt (1976).


Die Dolomiten

Die Dolomiten sind gut erhaltene Riffe einer triassischen Karbonatplattform — trotz der langen Forschunggeschichte gibt der Ursprung des Dolomits den Geologen noch immer Rätsel auf. Mit dem abrupten Wechsel von sanft gewellten Almen und darüber aufragenden senkrechten Türmen und Zinnen sind die Dolomiten eine ganz eigentümliche Berglandschaft. Die außergewöhnliche Landschaft geht, wie sollte es anders sein, auf ihre geologische Geschichte zurück. Bei den Bergen handelt es sich um recht gut erhaltene ehemalige Korallenriffe, die durch tiefe Meeresbecken voneinander getrennt waren. Die Riffe befinden sich quasi in ihrer ursprünglichen Geometrie, da sie nur wenig von der Gebirgsbildung der Alpen erfasst wurden und nur leicht erodiert sind. (Mehr dazu findet ihr hier).