33. Tag: Letzter Gipfel

Cabane de Caillou – Refuge Pombie – Pic Midi d’Osseau – Canyon de Cap de Port – Lac de Bious-Artigues

Es ist ganz seltsam, allein zu schlafen und vor Allem, allein aufzuwachen. Nach meiner Fantasiereise im letzten Blogbeitrag komme ich jetzt wieder in der Realität an. Und in der bin ich eigentlich allein unterwegs, noch immer kontinuierlich auf dem Weg nach Westen.

Ich denke an all das, was in den letzten Tagen wirklich passiert ist und so, wie der Morgen die Nacht ablöst, folgt auf die Freude über die Erlebnisse jetzt die Traurigkeit über ihre Vergänglichkeit. Um dieser aber zu entfliehen stehe ich schnell auf und laufe hoch zum Refuge Pombie. Schon im Morgenlicht konnte ich den steilen felsigen Buckel des Pic d’Osseau sehen und jetzt, wo ich direkt davor stehe, bekomme ich so unendlich große Lust an seinen Wänden zu klettern, dass die Traurigkeit in mir drin davon zeitweise übertönt wird. Das ist gut, denke ich, das muss ich mir merken. Ablenkung anhand von anderen Reizen, eigentlich ein alter Trick.

Ich lasse meinen Rucksack stehen, nehme nur etwas zu trinken und meinen Helm mit, und klettere hinauf zum Gipfel. Die Herausforderung des Anstiegs macht Spaß und immer wieder bleibe ich stehen und schaue den Adlern zu, die mich über mir kreisend an meinen Traum erinnern.

Kaum bin ich am Gipfel angekommen und hole Luft, merke ich, wie die Traurigkeit zurückkommt. Ich schaue mich um, aber so richtig wahrnehmen kann ich die Schönheit um mich herum nicht. Ich finde das schade, aber ich weiß, dass es jetzt nicht hilft, einfach zu schlucken, sondern dass ich der Traurigkeit eben ihren Raum geben muss, bis sie mich langsam wieder allein lassen kann.

Ich will aber nicht allein sein. Ich schreibe vom Gipfel aus Lise eine Nachricht, frage, wo sie ist und ob ich zu ihr kommen kann. Sie ist mir eine Tagesetappe voraus, aber ich kann die Hütte mit etwas Autopstopp noch heute Abend erreichen. Und das tue ich.

Es ist wunderbar, Lise wiederzusehen und mit ihr wird mir leichter. Wir sind beide müde, haben kaum noch Lust weiterzugehen und wir wollen jetzt einfach ans Meer.

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