25. Tag: Going off-line

Gavarnie – Barrage d’Ossue – Grottes Bellevues

Morgens ist meine Wäsche alles andere als trocken, aber das macht mir nichts aus, denn mein Körper schreit sowieso noch etwas Dehnung und einer Massage mit der Blackroll. Bis zu den Grottes Bellevues sind es nur knapp fünf Stunden und so entscheide ich einfach erst später am Nachmittag loszugehen, um direkt zur Nacht dort zu sein. Der Weg ist unschwierig und gut markiert, es sollte also kein Problem sein. Morgen früh bin ich dort dann genau am richtigen Ausgangspunkt für den Aufstieg über den Gletscher zum Gipfel des Vignemale (3.298m).

Während ich Vormittags auf der Terrasse sitze, sinniere ich über die mir verbleibenden Tage und wie ich sie gestalten möchte. Die Vorstellung, im Pays Basque eine Woche lang über grüne Wiesen und durch die vielen Dörfer zu gehen reizt mich gerade nicht wirklich. Ich bin sicher, dass es sehr schön ist, das wurde mir auch immer wieder von entgegenkommenden Wanderern bestätigt, aber mich zieht es gerade einfach mehr auf die hohen Berge, die mich hier umgeben, oder aber direkt ans Meer. Es liegen noch ein paar Orte und Gipfel auf dem Weg dort hin, die ich unbedingt erleben will. Ganz zu springen ist also keine Option für mich, zumal es mir ja auch gerade um das Erlebnis der sich wandelnden Landschaft geht. Aber acht bis zehn Stunden auf breiten Forstwegen, und recht eben dahin zu spazieren, das wird nichts mit mir. Dafür bin ich zu wenig „Pilgerin“. Ich will aber auch noch mehr zur Ruhe kommen. Bisher habe ich viel fotografiert, gefilmt, geschrieben, geshared, getaggt und so weiter. Ich habe, wann immer ich Netz hatte, viel Zeit damit verbracht, auf mein Handy zu starren, Nachrichten zu tippen, zu telefonieren, Fotos hochzuladen, Sachen zu recherchieren und generell digital zu „teilen“. Ich brauche eine Pause. Nicht vom Gehen, sondern von diesem kleinen Bildschirm und allem, was er mit sich bringt.

Also entscheide ich, den Vignemale, einen der schönsten Gipfel auf dieser Route, ohne Digitalität zu besteigen. Ich werde morgen früh mein Handy ausschalten, meine GoPro den ganzen Tag nicht benutzen und mal einfach nur für mich alleine wahrnehmen. Ich kenne viele, die jetzt sagen würden „na bitte, das ist es doch worum es am Berg eigentlich geht!“ und ich würde ihnen nicht widersprechen. Aber trotzdem weiß ich schon jetzt, so absurd das klingt, dass es mit schwerfallen wird. Denn auch wenn es immernoch nur ein Bruchteil meiner Zeit ist, den ich tatsächlich mit Filmen oder Fotografieren verbringe, so wirkt eben das doch deutlich auf meine Wahrnehmung. Und es ist gerade diese Form des „aufnehmens“, die mir das Gefühl vermittelt, weniger allein zu sein, mehr zu „teilen“.

Es wird also keine Gipfelfotos geben, und ich hoffe man verzeiht es mir. Aber vielleicht habe ich im Nachhinein ja Lust zu beschreiben, was ich wirklich gesehen habe.

In diesem Sinne schließe ich meinen heutigen Bericht jetzt noch ab, bevor ich losgehe, hinauf zu den Grottes Bellevues, in oder bei denen ich heute schlafen werde. Bis mindestens morgen Abend sind nun sind meine Augen die einzigen, die Aufnahmen machen. Und auch wenn der Kopf dahinter tatsächlich etwas aufgeregt ist, ob dieser scheinbar einfachen Aufgabe, meine Augen und mein Herz, die freuen sich darauf.

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