6. Tag: Endlich im kalten Wasser

Tirapits – Pic de Fossa del Gegant – Pic de Noufonts – Pic d’Eina – Vallée d’Eyne – Eyne – Bolquère – Refuge de Bouillouse

Die Nacht ist zu kalt. Nicht wegen der Temperaturen, sondern der Wind ist wirklich brutal. Aber immer wenn ich aufwache – und das ist oft – sehe ich direkt über mir die prächtig helle Milchstraße. Als ich um halb sieben wieder aufwache fühlt es sich an, als hätte ich kaum geschlafen. Noch im Schlafsack putze ich die Zähne und packe meinen Rucksack. Der Schlafsack kommt zuletzt, ohne den wäre mir zu kalt. Und dann laufe ich los und bin froh, dass es bergauf geht und ich mich aufwärmen kann.

Der Morgen sieht rosig und unschuldig aus, aber die vielen Cirrus-Wolken verraten schon jetzt die gewittrigen Absichten des Tages.

Zum Frühstück auf dem Pic de Noufonts (2861m) ist immernoch windig und ich beeile mich, dass ich zum Abstieg komme. Nach einer steilen und gerölligen Passage gelange ich zu einem schönen Pfad, der sich durch eine steile Wiese windet. Ich mag die Farben hier, es dominiert das Hellbraun der Felsen, aber auch die Wiesen, die überall von der Sonne leicht verbrannt sind, wirken wie mattiert. Dazwischen fließen hier viele kleine Bäche, die sich aber tief in den Boden graben. Sie verstecken sich vor der Sonne und ihren Strahlen. Weiter unten traut sich der Fluss an die Oberfläche, hier ist er stark genug. Immer wieder fließen weitere kleine Seitenbäche dazu und bald kann ich dem Wasser nicht mehr widerstehen. Ich suche mir einen tiefen Pool und tauche unter. Endlich. Das hatte mir gefehlt.

Als ich ein paar Stunden später am ersten Haus des kleinen Ortes Eyne ankomme, geht dort gerade die Garagentür auf, und ein Polizeiauto kommt heraus. Erst fährt es an mir vorbei, dann kommt es rückwärts zu mir zurück, die Scheibe der Beifahrertür fährt runter und ein freundlich grinsender Polizist mit cooler Sonnenbrille fragt, ob er mir helfen kann. Ich zeige auf die sich türmenden Gewitterwolken und sage „Ich würde gerne einfach nur so schnell wie möglich zum Refuge de Bouillouse…“ „Steig ein, ich habe eine Idee“ sagt er, und ich gehorche. Schließlich ist er Polizist. „Das ist wirklich das erst Mal, dass mich ein Polizist mitnimmt ohne, dass es einen Grund gibt…“ sage ich, und hoffe er versteht meinen Humor. Er lacht. Zum Glück fragt er nicht genauer nach, sondern er erspart mir die Scham und erzählt mir stattdessen, dass er auch bei der Bergwacht arbeitet. Und, dass es einen Bus gibt, der zum Refuge fährt. Wenn ein Bus zu dieser Hütte fährt, dann will ich wirklich nicht laufen. „Was sind das hier für Hütten, zu denen man mit dem Bus fahren kann?“ frage ich. „Ja, tagsüber sind dort viele Wandergäste, aber Abends wird es ruhig, keine Sorge.“

Und so ist es. Draußen schüttet es, es donnert und blitzt in dichter Folge und um nichts in der Welt will ich gerade da draußen sein. Da nehme ich sogar in Kauf, dass die sechs Männer bei mir im Lager bestimmt schnarchen und hoffe einfach, dass ich tief schlafe, bevor sie lossägen…

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