2. und 3. Tag: Heiss

Banyuls-sur-mer – Pic Sailfort – Puig de les Gardes – Pic dels Quattre Termes – Puig de Pradets – Refuge de Tagnarede – Puig Neulós – Le Perthus- Puig de Priorat – Puig de Teixo – Las Illas – Puig de Saneles – Puig de Faig- Puig de les Salines

Meine Lust zu schreiben hält sich, zugegebenermaßen, noch in Grenzen. Das liegt vor Allem an der Hitze. Die Tage sind lang und anstrengend, aber auch von der Sorge geprägt rechtzeitig wieder an Wasser zu kommen. Bisher reißt mich die Landschaft hier nicht wirklich mit. Außer, dass die Etappen lang sind, bieten sie mir keine Herausforderungen, es ist eher einfaches Trekking und ich habe das Gefühl ich bräuchte gerade jetzt, um anzukommen, etwas mehr Berggefühl. Mein Zustand hat etwas von einem Vakuum, und ich weiß noch nicht wie ich es auflösen kann.

Gegen Mittag erreiche ich eine Hochebene, über der sich groß und grau die Gewitterwolken türmen. Ich hoffe auf einen Wolkenbruch, der mir und der Landschaft eine Entspannung bringen könnte. Aber das Wetter tut uns den Gefallen nicht: Hoch über den Wolken donnert es konstant und drohend, ab und zu sieht man einen Blitz, aber mehr als zwei Regentropfen sind uns nicht vergönnt. Etwas verspannt merke ich, wie sehr sich darin gerade mein Inneres spiegelt: Es brodelt, ich weiß nicht wo, und es gibt noch keine Erlösung. Stattdessen gehe ich weiter auf diesen breiten Wege, auf denen ab und an ein Jeep an mir vorbei fährt, und die karg und staubig sind.

Ich habe mich auf diese Tour nicht so gut vorbereitet, wie ich das eigentlich gerne getan hätte. Es hat die Zeit gefehlt und gerade in der letzten Woche waren so viele andere Baustellen, dass ich nicht einmal mit klarem Kopf gepackt habe. Das rächt sich jetzt, denn ich habe beispielsweise meinen „Spork“ (mein Besteck) vergessen, und nutze jetzt temporär einen Einweg-Plastiklöffel vom Bahnhof, was sich überhaupt nicht richtig anfühlt. Außerdem merke ich jetzt, dass mein ist Rucksack mit den zehn Tagen selbstgetrockneter Verpflegung einfach zu schwer ist.

Als ich in den kleinen Ort Le Perthus komme, finde ich glücklicherweise eine Post, so dass ich mir ein paar Sachen an einen meiner späteren Versorgungspunkte schicken kann. Ich plane jetzt einfach ein, auch mal auf einer Hütte zu essen, das ist es auf jeden Fall wert, jetzt einen leichteren Rucksack zu haben.

Auch mental bin ich einfach noch nicht bei der Sache, denke ständig daran, was ich vor meiner Abreise noch alles hätte tun sollen. Ich denke auch, dass ich mich wirklich ranhalten muss, wenn ich die Tour in meiner ambitionierten Version wirklich in 40 Tagen schaffen will. Eine andere Option gibt es für mich nicht. Das stresst mich ein bisschen, und macht mir das Ankommen im hier und jetzt schwer. Dann denke ich, dass ich meine Route unbedingt optimieren muss und frage mich, wann ich wieder einmal Internet habe. Denn hier habe ich einfach keinen Handyempfang. Gestern Abend kam ich an einer Hütte mit WLAN vorbei, da konnte ich schnell ein paar Sachen erledigen. Aber sonst bin ich in der digitalen Wüste, was nach der Unruhe, die es mir anfänglich verursacht hat nun wirklich gut tut. Es befreit mich von einem Teil meines Lebens, den ich erst jetzt als Last wahrnehme. Für andere mag das selbstverständlich sein, aber für mich, die es gewohnt ist, vernetzt zu sein, oder zumindest über die Möglichkeit einer Vernetzung zu verfügen, ist das schon besonders.

Ich habe mich schon ein paar Mal verlaufen. Dann stapfe ich hier aber nicht nur durch Brennnesseln und Dornen, sondern auch durch fiese Kakteen, die meine Beine schon jetzt aussehen lassen als hätte ich Selbstgeißelung betrieben. Und zugegeben, ich habe mich heute nicht nur einmal gefragt, ob es das vielleicht ist? Beispielsweise als ich schon um 9 Uhr morgens völlig nassgeschwitzt eine breite staubige Schotterpiste entlanggehatscht bin, die niemals enden zu wollen schien. Oder als ich nach 500 Metern Abstieg, teils auf Teerstrasse, einen Gegenanstieg von ebenfalls 500 Metern begann, für den ich steil durch hohes Gras und Farne (nicht zuvergessen Kakteen) kletterte. Wenn ich jetzt daran denke, finde ich es ein bisschen lustig. Humor hatte ich in der Situation selbst aber leider keinen.

Schon nach dem gestrigen Tag hatte ich mir fest vorgenommen, mich noch zu dehnen und Yoga zu machen, aber dann war ich, nach 16 Stunden mit einigen kleinen und einer großen Pause, doch einfach viel zu müde, so dass ich mich nur in den Schlafsack gelegt habe, und gleich eingeschlafen bin. Nachts bin ich übrigens aufgewacht und keine zwei Meter von mir lag ein großer stolzer Stier, ganz ruhig und kauend.

Heute jedenfalls mache ich es anders, und nehme mir jetzt noch zwei Stunden Zeit für meinen Körper, also für Blackroll, dehnen und Yoga. Mein Schlafplatz heute, ist wirklich schön: direkt neben einem alten Kloster, auf einer weiten Wiese. Und der Sternenhimmel wird mich hier mit vielem versöhnen, das weiß ich schon jetzt.

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