Anas Pyrenean Way West

Das ging jetzt doch alles ganz schön schnell. Ich sitze in einer Strandbar in dem kleinen französischen Städtchen Banyuls-sur-Mer, habe mir gerade einen Weißwein bestellt und schaue hinaus auf das spiegelglatte Mittelmeer, das von den letzten Sonnenstrahlen noch rosa schimmert.

Hinter mir habe ein paar Tage mit viel zu wenig Schlaf und 16 Stunden Zugfahrt. Bei meiner Ankunft habe ich versucht, das hier sofort im Meer abzuwaschen. Das Wasser war so weich und gut zu mir, und nach einigen kräftigen Schwimmzügen hat der Widerstand des Wassers auch begonnen meine Verspannungen zu lösen.

Vor mit liegen strahlende 40 Tage draußen sein. Ich setze meinen Weg nach Westen fort, diesmal vom Mittelmeer zum Atlantik über die Pyrenäen. Es geht im Städtchen Banyuls-sur-Mer los, und dann in etwa 800 Kilometern entlang der höchsten Linie der Pyrenäen bis nach San Sebastián am Atlantik. habe Bei der Route orientiere ich mich diesmal an der „Haute Route Pyrenees“ (HRP), aber ich habe einige Varianten eingebaut und möchte auf beiden Fall die markanten Gipfel der Pyrenäen besteigen. Teile meiner Streck verlaufen entlang den bekannten Fernwanderwegen GR10 und GR11, aber zwischendrin gibt es noch genug wildes Terrain für meine Abenteuerlust. Ich hoffe auf gutes Wetter, denn ich bin wieder ohne Zelt unterwegs und habe nicht geplant auf Hütten zu übernachten.

Als ich im Zug zum ersten Mal wieder französisch gehört habe, fühlte ich mich zurückversetzt nach Grenoble, wo meine große Alpenüberquerung von Ost nach West im letzten Sommer geendet hat. Ich bin gespannt, inwiefern ich an die Erfahrung von damals nicht nur im sprachlichen Sinne anknüpfen kann.

In jedem Fall geht es für mich jetzt weiter durch das große, gebirgige Herz von Europa. In fünf Ländern konnte ich es schon erleben, habe fließende Übergänge und starke Kontraste erlebt, sowohl im Gebirge, als auch in den Begegnungen mit den Menschen. Abgesehen davon, dass das Frankreich hier ein ganz anderes ist, als in den Alpen, freue ich mich ganz besonders auf Spanien, beziehungsweise Andorra, Katalonien und das Baskenland.

Meinen Weißwein habe ich ausgetrunken. Vorne an dem gelblich beleuchteten Platz vor den Lokalen mit bunter Leuchtschrift spielt ein Typ Klassiker der Popmusik mit der E-Gitarre. Ein paar Kinder tanzen dazu ausgelassen. Es ist die typische Urlaubsidylle am Mittelmeer. Ich hatte damit gar nicht gerechnet, aber es tut gut. So gut, dass ich einem der Strandverkäufer aus Nostalgie vorhin fast ein grelles Freundschaftbändchen abgekauft hätte. Und so gut, dass ich mich jetzt von den Menschen um mich herum anstecken lasse und mir auch ein Eis holen gehe. In der Waffel, versteht sich, und ohne Serviette.

Denn der Vorsatz, der mich diesmal auf der Reise begleitet ist, unterwegs möglichst keinen Müll zu verursachen und allen Müll, den ich selbst unterwegs finde, einzusammeln. Ich hoffe jedenfalls inständig, dass ich keinen Autoreifen finde… Die persönlichen Erlebnisse und Begegnungen die mir mein Leben ohne Müll in den letzten Wochen beschert hat, machen mir Lust darauf, die Geschichten die ich wegen dem Müll erlebe, egal ob lustig, tragisch oder informativ, schriftlich zu dokumentieren.

Inzwischen habe ich mein Pistazieneis aufgegessen. Es war ein bisschen zu süß, genau wie das Gitarrenspiel, die Beleuchtung und das romantische Plätschern der Wellen. Aber für heute genau das, was ich gebraucht habe.

Und jetzt hole ich mir noch den Schlaf, der mir fehlt, denn morgen wird es sicher sehr heiß und will um fünf Uhr aufbrechen.

7 Antworten auf “Anas Pyrenean Way West”

  1. Hey Ana, ich wünsche dir alles Gute für dein neues Abenteuer! Danke, dass du immer noch schreibst und uns teil haben lässt.
    Liebe Grüße
    Tala

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