Plastik raus!

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Es gab ein Erlebnis in Schottland, das mich nachhaltig geprägt hat: Als wir nach stundenlangem Wandern durch die wilden schottischen Highlands über einen Pass am südlichen Ende von Skye kamen, sahen wir vor uns das Meer. Aber etwas war seltsam an dem weiten und hellen Strand. Er war bunt. Dort angekommen bot sich ein schockierendes Bild, denn der ganze Strand war von Plastikmüll bedeckt. Ich habe damals schon einen Beitrag dazu geschrieben.

Obwohl ich natürlich wusste, dass Plastikmüll weltweit ein großes Problem ist, und obwohl ich Bilder von eben solchen Stränden kannte, hat das unmittelbare Erleben vor Ort in mir eine starke emotionale Reaktion ausgelöst, die ich als eine Kombination aus Wut und Frustration beschreiben würde. Das schlimmste daran war, dass ich mich so machtlos gefühlt habe. Ich wusste, dass selbst wenn ich jetzt anfangen würde, hier alles einzusammeln, wäre ich noch in Wochen damit beschäftigt und vermutlich würde das Meer täglich mehr Müll an den Strand spülen.

Bei näherer Betrachtung konnte ich sehen, dass es sich zu einem großen Teil um Schiffsabfälle, also Kunststoffseile und Kanister handelte. Aber es lagen da auch erstaunlich viele Überreste von Plastikzahnbürsten, Shampoo- und Sonnencremeflaschen. Manche waren mit kyrillischen oder vermutlich indonesischen Buchstaben bedruckt, sie müssen also schon eine ordentliche Reise hinter sich haben. Und dann war da noch der Schleier von dem, was man wohl als Mikroplastik bezeichnet: winzigkleine Teile von Plastik, aus schwer zu identifizierbarer Quelle.

„Don’t expect to see a change if you don’t make one“

Ich will also versuchen, ab jetzt wenigstens meinen kleinen Teil dazu beizutragen, dass der Plastikmüll verringert wird. Das bedeutet, dass ich selbst möglichst kein Plastik mehr verwenden will.

Seit der Entscheidung war ich auch in Schottland anders unterwegs. Ich hielt immer die Augen offen für Alternativen und überlegte, wie man gerade auch bei langen Trekking- oder Bergtouren Plastik- bzw. Aluverpackung vermeiden kann.

„The Wildcat“ geht mit gutem Beispiel voran

In Fort William habe ich mich mit Stephen, einem der Gründer von „The Wildcat“ unterhalten, einem kleinen Laden und Café, das fernab der Großstadt auf beeindruckende Weise verpackungsfrei arbeitet und ständig bestrebt ist, darin noch besser und umfassender zu werden. Außerdem gibt es dort mit Abstand den besten Kaffee im Ort und zudem auch noch wirklich leckeres Essen. Obwohl das Café mitten in einer Touristrasse ist, hat er beisopielsweise die Einwegbecher für den „Coffee to go“ abgeschafft (die sind nicht nur aus Papier!!), aber man kann eine Tasse „mieten“.

Das Mülltrennungsssstem ist in Schottland, wie auch im Rest der UK noch recht zurückgeblieben, insbesondere wenn ich es mit dem mir bekannten System in Deutschland vergleiche. Aber auch hier reicht es nartürlich nicht, dass es ein gutes System gibt, sondern dieses muss auch entsprechend genutzt und ständig weiter verbessert werden.

Gewohnheiten ändern

Für mich persönlich heißt das, dass ich meine Gewohnheiten ändern muss. Das ist sicherlich eine der größten Hürden auf dem Weg, und gleichzeitig ist es schön, dass ich selbst aktiv wirklich etwas tun kann.

Vor ein paar Tagen habe ich den einen Film „A Plastic Ocean“ angeschaut, den ich hier sehr empfehlen will. Es war einfach das erste, was bei meiner Suche zu „Plastik“ auf Netflix aufgetaucht ist. Und ich finde den Film tatsächlich recht umfassend informativ und dabei gut gemacht.

Ich habe mir außerdem, um da einfach einmal anzufangen, einen „Guppyfriend“ Waschbeutel gekauft, in dem ich ab jetzt meine Wäsche waschen werde. So werden die Kunstfaser-Bruchstücke aus meinen Kleidern gefiltert und ich kann sie getrennt entsorgen, anstatt dass sie in die Flüsse und letztendlich auch Meere gelangen.

Ich will auch selbst nochmal recherchieren, was genau mit dem Müll passiert, den ich hier in München über die normale Tonne im Hof entsorge. Ich habe zwar bisher auch schon Plastik, Biomüll. Papier, Flaschen und Dosen getrennt entsorgt, aber manchmal bin ich dann eben doch zu faul und dann landet eine Tüte mit gemischtem Müll im Hausmüll.

Ab jetzt werde ich also versuchen, Plastikmüll komplett zu vermeiden. Ich muss das für mich so machen, weil ich eben ein „ganz oder gar nicht“ Mensch bin. Aber man kann sich ja zum Beispiel auch einfach vornehmen, kein Gemüse und Obst mehr in Plastikverpackung oder mit der kleinen dünnen Plastiktüte zu kaufen. Ich habe jetzt, für die spontanten Einkäufe, einfach immer eine kleine Tasche im Rucksack oder der Handtasche dabei.

Bei Obst und Gemüse, aber auch bei frischem Brot geht es wahrscheinlich recht leicht, da nehme ich einfach selber einen Beutel mit, und kaufe weiter bei meinem Bioladen oder auch mal im Supermarkt ein. Wenn ich andere Sachen brauche, wie Milchprodukte oder Fleisch, die normalerweise verpackt sind, nehme ich Tupperboxen mit zur Frischtheke oder kaufe eben im Glas. Und für Haferflocken, Nudeln, Reis usw. probere ich mal den verpackungsfreien Supermarkt „Ohne“ hier in München.

Ich werde hier demnächst, wenn ich ein paar Wochen Erfahrung habe, darüber schreiben, wie es mir im „verpackungsfreien Leben“ geht und wo ich an meine Grenzen stoße. Ist es teurer? Wesentlich aufwändiger und zeitintensiver? Wie verändert sich mein Konsumverhalten? Mag ich das oder nicht? Ich will versuchen auch von der Herausforderung der Gewohnheit zu berichten und von den Reaktionen und Situation in meinem Alltag.

 


No more plastic!

AL-7659

There was an experience in Scotland that left a lasting mark on me: after hours of hiking through the wild Scottish Highlands we came across a pass at the southern end of Skye and saw the sea in front of us. But something was strange about the wide and bright beach. It was colorful. Once there, it was shocking to find, that the entire beach was covered with plastic waste.

Although, of course, I knew plastic waste is a big problem worldwide, and I had also seen images of these trashed beaches. But the immediate on-site experience triggered a strong emotional response within me. I would describe it as a combination of rage and frustration. The worst part was, that I felt so powerless. I knew that even if I started collecting all this trash now, I would be busy for weeks, and probably the sea would flush more rubbish onto the beach every day.

On closer inspection, I could see that it was largely ship waste, so plastic ropes and canisters. But there were also surprisingly many remnants of plastic toothbrushes, shampoo and sunscreen bottles. Some were printed with Cyrillic or presumably Indonesian letters, so they must have already had a decent journey behind them. And then there was this layer of what is called microplastics: tiny bits of plastic, whose original source is hard to identify.

„Do not expect to see a change if you do not make one“

I want to contribute my little part to reduce plastic waste from now on. This means that I will avoid plastic waste in my own life.

Since that decision, I have been traveling differently in Scotland. I always kept my eyes out for alternatives and thought about how to avoid plastic packaging in trekking or mountaineering.

„The Wildcat“ leads by example

At Fort William, I talked to Stephen, one of the founders of The Wildcat, a small shop and café that is packaging-free and constantly strives to become even better at it. Also, they sell by far the best coffee in town and serve really delicious food. Although the café is on a touristy street, it has, for example, abolished the disposable cups for the „coffee to go“ (which are not just paper!!), but you can „rent“ a cup instead. The recycling system in Scotland, as well as in the rest of the UK, is still lagging behind, especially when I compare it with the system I know in Germany. But even in the country where I live, it is not enough that there is a good system, but it must also be used accordingly and should constantly be improved.

Changing habits

For me personally this means I’ll have to change my habits. I am guessing already that this will be one of the biggest hurdles on the way, and at the same time it is nice that I can actively do something myself.

A few days ago I watched the movie „A Plastic Ocean„. I’d like to highly recommend it here. It was the first film that came up on my search for „plastic“ on Netflix. And I think the film is actually quite comprehensive, informative and well done.

I bought a „guppyfriend“ wash bag to start washing my clothes in it. It filters the pieces of synthetic fiber from my clothes and I can dispose of them separately, instead of it getting into the rivers and eventually the sea.

I also want to investigate again, what exactly happens with the garbage, that I dump into the normal trashcan in Munich. I already had recycled plastic, organic waste, paper, bottles and cans before, but sometimes I’ve just been too lazy and then a bag of mixed garbage ended up in the trash.

From now on I will try to completely avoid plastic waste. I have to do it this way, because I’m just an “all or nothing” type. But you could also just buy vegetables and fruits without plastic packaging and avoid the small thin plastic bags from the veggie-isles. For spontaneous purchases I now keep a small bag in my backpack or purse.

With fruit and vegetables, but also with fresh bread, it is probably quite easy, I’ll just bring a bag with me, and continue to shop at my health food store or sometimes in the supermarket. If I need other things, such as dairy products or meat, which are normally packaged, I’ll take tupperware to the counter. And for oatmeal, noodles, rice, etc. I try the packaging-free supermarket “Ohne” (=“without“) here in Munich.

Once I have a few weeks of experience, I’ll write about it again. I’ll report from my new „packaging-free life“ and describe where I reach my limits. Is it more expensive? Much more time-consuming? How is my behavior of consumption changing? Do I like it or not? I also want to talk about the challenges of my habits and the reactions and situation in my everyday life.

4 Antworten auf “Plastik raus!”

  1. Ein guter Tip mit dem Waschbeutel, das werde ich auch machen.
    Den Meeren nutzen wir leider wenig mit dem Vermeiden von Plastikmüll, der im Meer befindliche kommt ja eher weniger aus Europa.
    Ansonsten ist es begrüßenswert, Plastik zu vermeiden.
    Allerdings ist es, soweit ich weiß, in Deutschland an Käse- und Wursttheken leider nicht möglich, die Ware ohne Umverpackung zu erhalten, aus hygienischen Gründen und weil es Vorschrift ist.

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    1. Stimmt schon, vielleicht landet unser Plastikmüll, den wir sonst „fachgerecht“ entsorgen, nicht an den Stränden, aber wir können als Konsumenten damit Einwegverpackung generell in Frage stellen, auf seine Überflüssigkeit aufmerksam machen und ihn so reduzieren. Käse- und Wursttheken machen das schon, also so bisher meine Erfahrung. Meistens finden sie es dann sogar gut, vor Allem natürlich im Bioladen. Auch deswegen lohnt es sich. Wenn die Verköufer mit einem Plastikhandschuh die Ware in einen Plastikbeutel oder auf Plastikpapier legen, können sie es (aus hygienischen Gründen) genausogut in meine Tupperbox legen, denn die ist ja meine Verantwortung ;-).

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      1. Gut zu wissen, ich dachte, die Thekenbedienungen dürften das gar nicht.
        Ich hatte das so gehört.
        Plastik ist eine der übelsten Erfindungen, was den entstehenden Müll angeht, am liebsten wären mir andere Verpackungsmöglichkeiten.
        Oder eben gar keine, Gemüse und Obst ist ja bereits verpackt….:-)

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  2. Ein guter Beitrag! Ich bin auch gerade in Schottland und mir ist diese spärliche Mülltrennung ebenfalls aufgefallen. Bin gespannt auf den Post, wie es mit deinem verpackungsfreien Leben geklappt hat!
    Selbst versuche ich, keine zusätzlichen Plastiktüten mehr anzusammeln. Der nächste Schritt ist dann, Lebensmittel möglichst unverpackt zu kaufen.

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