Splitboarden: Im Zauberreich aus weißem Gold

Es herrscht eine reichhaltige Stille und über dem Land liegt eine geheimnisvolle Ruhe, die ich bis in die Haarwurzeln spüren kann. Mein Körper folgt dem natürlichen Prozess des Ein- und Ausatmens: Ich fühle, wie die kalte, klare und reiche Luft sich in meinem Körper verbreitet und ihn erweitert, und ich sehe wie mein Atem sich vor mir mit der Materie verbindet. Der ganze Körper arbeitet, fühlt sich gebraucht und liebt mich dafür. Und mein Herz pumpt fröhlich und gleichmäßig das Blut durch die Adern. Dann bin ich oben, und sehe, dass die Erde rund ist: überall Horizont, der sich bis zur Biegung der Weltkugel um mich herum ausbreitet. Ich halte inne. Komme an. Sehe mich um. Fühle, dass ich diesen Überblick aus eigener Kraft erreicht habe.

Bald darauf höre ich es rechts und links von mir Rauschen: weiße, glitzernde Kristalle wirbeln auf und singen eine Musik, das mich an einen Lieblingssong erinnert. Ich fliege durch die Natur in ihrer Reinform, fühle mich mit ihr verbunden und innerlich jubelt alles. Ich bin hier. Jetzt.

Okay. Zugegeben: das oben beschriebene Reich ist oft weniger paradiesisch. Denn dort ist es auch manchmal einfach eisig kalt und auch der Boden friert spürbar. Ich habe jeden Moment Sorge, dass es mich gleich quer den Hang runter fetzt. Ich schwitze und habe Durst, will aber nicht schon wieder stehen bleiben. Ich quere einen steilen Hang und bin nicht sicher, ob die Kanten von meinem Splitboard wirklich halten. Unten ist ein See, und der wirkt in dieser Jahreszeit alles andere als anziehend. Außerdem sind die Anderen alle auf Skier unterwegs und mit den steiferen Latten kommen sie im steilen Gelände einfach besser klar. Ja, auch das kommt vor. Aber auch das lohnt sich, glaub mir.

Bevor ich selber angefangen habe, Splitboard zu fahren, war ich mir nicht sicher, ob das wirklich funktioniert. Ich habe mich gefragt, ob ich das überhaupt kann, ob mich das nicht sowieso, vielleicht auch konditionell überfordert? Ob ich mich dann ständig blamiere und mir zudem selbst den Spaß raube, weil ich irgendwas falsch schraube, Felle falsch aufklebe oder die Bindung verkehrtherum montiere? Oder ob ich vielleicht dann in Eis und Wind am Gipfel die klemmende Bindung nicht auseinander bekomme und ewig brauche um meine „Ski“ zu einem Board zusammen zu fügen?

Vor circa zehn Jahren habe ich zum ersten Mal ein Splitboard getestet. Ich weiß nicht einmal, ob das damals schon ein spezifisches Frauenboard war, oder nicht. Ich weiß nicht mehr, ob es zu schwer war oder was eigentlich das Problem war. Aber ich habe es gehasst. Seitdem hat sich viel getan.

Als ich in einem Winter ein paar Jahre darauf dann mit meinem Board auf dem Rücken und Schneeschuhen über irgendeinen Grat gestapft bin, kam ein starker Wind auf und das Board war plötzlich wie ein Segel. Fast wäre ich mit ihm hinuntergesegelt, aber auf eine eher unangenehme Weise… Da habe ich gewusst, dass etwas anders werden muss. Seitdem habe ich, wann immer es ging, Splitboards für Frauen auf Herz und Nieren getestet. Und jedes Jahr war ich wieder ernüchtert und enttäuscht. Bis vor zwei oder drei Jahren, als ich endlich keinen Unterschied mehr zu meinem normalen Board bemerkt habe. Seitdem kann ich guten Gewissens sagen: die Splitboards, die es jetzt gibt, und die spezifisch für Frauen entwickelt und gebaut sind, die können jetzt was. Zum ersten Mal habe ich auf der Piste bei höherem Tempo kein Flattern mehr zwischen den Latten gefühlt. Endlich gab es Bindungen, die mir nicht entweder die Finger eingeklemmt haben, im Aufstieg elendig laut geklappert haben, oder die in Schnee und Eis so verkeilt waren, dass ich oben mindestens einen Schraubenzieher gebraucht habe, um sie zu lösen.

Ich habe jetzt schon länger keinen Blogbeitrag mehr geschrieben. Unter anderem habe ich in dieser Zeit aber einen Splitboard Guide für Frauen erarbeitet, der bei Sport Conrad veröffentlicht wurde. Ich durfte beim Splitboard Testival am Achensee nämlich alle aktuellen Modelle zum Test fahren, was natürlich unglaublich viel Spaß gemacht hat. In dem Guide erzähle ich davon, wie sich die Bretter so anfühlen und für wen sie sich meiner Meinung nach eignen. Was ein Splitboard überhaupt ist und wozu man das benutzt, das beschreibe ich hier im Beitrag weiter unten.

Projekte planen, Offline schreiben, Vorträge halten…

Ansonsten bin ich derzeit damit beschäftigt meine nächsten Bergprojekte zu planen. Im April darf ich dann nämlich endlich auch selbst für länger ins Zauberland aus weißem Gold aufbrechen: mit dem Splitboard will ich zusammen mit zwei tollen Frauen eine Umrundung und mögliche Besteigung des „La Meije“ im Nationalpark Les Écrins in Frankreich unternehmen.

Zudem habe ich in den letzten Wochen die ISPO besucht, viel offline geschrieben und viele Vorträge gehalten. Zu meinem nächsten Vortrag zu „Anas Way West“, am Freitag, 23. Februar um 18 Uhr im POP DOWN HOTEL möchte ich euch bei dieser Gelegenheit sehr herzlich einladen!!

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Was ist eigentlich ein Splitboard?

Ein Splitboard ist ein Snowboard, das man in der Mitte auseinandernehmen kann, um es mit Fellen versehen wie Skier zum Aufstieg am Berg zu verwenden. Man braucht dafür eine spezielle Splitboardbindung, die im Aufstieg parallel so auf die beiden „Ski“ montiert wird, dass nur die Spitze fixiert ist, man also (wie beim Skitourenski, im Langlauf oder beim Telemark) Ausfallschritte gehen kann, bei denen man den „Ski“ jeweils über den Boden nach vorne schiebt. Im Aufstieg werden die Ski des Splitboards „seitenverkehrt“ verwendet, also so, dass die längere Kante außen ist. Das sorgt für einen besseren Halt am Hang im Aufstieg. Die Felle zieht man direkt auf den Belag auf und zwar so, dass sie in Fahrtrichtung gleiten, und – logischerweise – gegen die Fahrtrichtung einen guten Halt bieten, weil die Borsten des Fells sich aufrichten und im Schnee Widerstand gegen das Rutschen leisten. Soweit die Grundidee.

 


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