Leistung ist relativ

Wenn man lange unterwegs ist, stellt sich der Körper irgendwann völlig um. Dann ist der Normalzustand eben in Bewegung zu sein. Nach ungefähr der Hälfte meiner Tour war ich an meinem persönlichen Hochpunkt der Leistungsfähigkeit und des damit einhergehenden Wohlgefühls. Ich habe mich geradezu unbezwingbar gefühlt und bin noch morgens vor dem Kaffe 400hm gejoggt um „warm“ zu werden für den Tag ;-). Jetzt sitze ich in einem Café und kriege es nicht mal richtig hin mich zum Joggen gehen zu animieren. Naja.

Blick vom Cima Careser

Um auf einer langen Tour richtig mit der Energie zu haushalten, damit man sich nicht überfordert (und dann gegebenenfalls ausfällt) habe ich die Erfahrung gemacht, dass man nicht darum herum kommt einfach wirklich gut auf den eigenen Körper zu hören. Der sagt nämlich ziemich genau wieviel Reserven er noch hat, man muss nur eben lernen ihm zuzuhören. Und nicht nur das, man muss dann auch noch möglicherweise gegen den kopfgesteuerten Ehrgeiz entscheiden und dem Körper eine Pause gönnen. Es lohnt sich: mein Körper hat mich danach immer mit einem erneuten Energieschub belohnt. Auch in anderen Sportarten ist ja bewiesen, dass die Erholungspause sehr wichtig und effektiv für eine Leistungssteigerung ist. Auf einer 60-tägigen Tour muss das nicht Bedeuten, dass man einen ganzen Tag Pause macht. Man kann auch einfach einmal langsamer gehen und dabei entdecken wie gut sich das anfühlt. Oder eben man heizt richtig los, wenn der Körper gerade den Turbo einschaltet. Ich glaube es gibt für einen guten Energiehaushalt kein besseres Rezept als dem Körper zuzuhören.

Mont Blanc de Cheilon und Pigne d'Arolla im Wallis
Mont Blanc de Cheilon und Pigne d’Arolla im Wallis

Das fällt manchmal schwer, weil der Leistungsdruck hoch ist. Mir ging das sogar allein so. Ich bin schließlich von unserer Gesellschaft gepägt, die insgesamt heute sehr leistungsorientiert ist. Wir wollen Erfolge quantifizieren, und uns am liebsten permanent selbst updaten um nicht „weniger“ zu sein als Andere. Vermeintlich gibt es da eine objektive Messlatte. Ich glaube nicht an diese Objektivität. Unterwegs war eine meiner wichtigsten Erkenntnisse, dass Leistung relativ ist. Denn eine Leistung bei der ich auf gesunde Art und Weise meine eigenen Grenzen erweitere ist für eine*n Leistungssportler*in oder Profibergsteiger*in ein Klacks und scheint für jemanden der wenig Sport macht geradezu unerreichbar. Aber dafür empfindet dieser Mensch das selbe Glücksgefühl etwas tolles geleistet zu haben, wenn er oder sie eine schöne Bergwanderung unternimmt. Denn jeder definiert seinen Maßstab eben selbst. In diesem Sinne: ich gehe jetzt laufen.

  1. Danke, den ersten Beitrag den ich von Dir gelesen habe. Es gefällt mir, wie Du die Dinge siehst und die Art wie Du darüber schreibst. Motiviert mich spontan. 👌

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