55. Tag – Ein weißes Meer

Strecke: Cabane des Dix (2928m) – Col de Cheilon (3237m) – Glacier di Giétro (3200m) – Col du Mont Rouge (3326m) – Lac de Mauvoisin (2000m) – Le Châble (900m)

Heute bin ich von Schneeflocken geweckt worden, die leise in meinem Gesicht geschmolzen sind. Ich musste lächeln, weil es irgendwie ein zärtlicher Bergwecker war. Nach einem ausführlichen Frühstück (und der wortreichen Auseinandersetzung mit den Verbondungskindern, die ich im Beitrag von gestern schon beschrieben habe) ging es ans Abschied nehmen. Es ist mir wirklich schwer gefallen und ich habe wieder gemerkt wie schnell ich hier oben Menschen ins Herz schließen kann. Es hat im Aufstieg Richtung Col des Dix eine Weile Weg gedauert, bis ich nicht mehr in den Tränen kämpfen musste. Aber ich werde wiederkommen. Dan ist uns noch mit seiner Drohne gefolgt und ich freue mich sehr, dass er mir die Aufnahmen für meinen Vortrag in Garmisch-Partenkirchen (am 14.12. um 19 Uhr) zur Verfügung stellen wird. Wie wahrscheinlich schon in meinen bisherigen Beträgen deutlich geworden ist: die Cabane des Dix kann ich jedem Bergsteiger wirklich wärmstens empfehlen. Sie ist im Winter auch ein Stützpunkt der „Haute Route“, einer langen Skitour durch das Wallis. Die Freundlichkeit und unkomplizierte Art ist sehr angenehm, es läuft gute Musik und das Essen ist fantastisch. 

Der Aufstieg zum Col hat gut getan. Jede Faser hat sich gefreut, dass sie von mir wieder in Bewegung gebracht wird. Vom Schnee am morgen ist nicht mehr viel liegengeblieben, aber alles sieht auch so wunderschön aus. Am Col angekommen lag ein wunderschönes weißes Meer vor uns. Wir überqueren den Gletscher am Seil und dank Elias toller Wegführung haben wir Gletscherspalten mit großen Schritten überwunden oder sind sie umgangen. Die Stille in der Ebene, die nur von unseren ebenmäßigen Schritten unterbrochen war, hat tief in mir geklungen.

Nach dem Col de Mauvoisin ging es durch Geröll- und Blockgelände 100hm abwärts. Es war eine schöne Abwechslung, auch wenn ich schon gemerkt habe, dass meine Hüfte noch schmerzt und meine Kräfte wohl insgesamt etwas abgenommen haben. So habe ich mich oberhalb des Sees noch von Susanne und Elia verabschieden und eine Pause gemacht. Verabschiedet habe ich mich auch von Steigeisen, Eispickel und ein paar anderen Hochtourensachen. Ab jetzt wird in der letzten Etappe nur noch gewandert. Auch wenn es von Chamonix aus noch 200km sind, die ich in 4,5 Tagen zurücklegen muss, so freue ich mich sehr auf diese letzten Tage.

Der Lac de Mauvoisin und seine Umgebung haben mir wirklich verzaubert. Es war wunderschön entlang des Wassers zum Wehr zu wandern und immer etwas sprühendes Nass der Wasserfälle zu spüren. Die Tropfen spiegelten den See in der Luft und die Felsen hatten wunderschöne Farben. Der See selbst lag wie gebannt in einem undurchsichtig hellen türkis da und wartete.

Weil ich so voller Freude von der schönen Umgebung war, bin ich fast bis nach Le Chable runter gelaufen. Dort durfte ich die Nacht in dem wunderschönen Chalet von Laura verbringen, einer Freundin meiner Freunde Jasmine und Ray, die mir einfach vertrauensvoll ihr Wochenendhaus zur Verfügung stellt. Unendlich dankbar konnte ich sogar ein heißes Bad nehmen und morgen früh geht es dann los Richtung letzter Etappe und der Zeit für „Erinnerung“ im Nationalpark La Vanoise und bis Grenoble.

L’equipe du Cabane des Dix

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