Aufgeschlossenheit als Herausforderung in den Dolomiten

Auf der 4. Etappe meiner Ost-West Alpenüberquerung ging es vom 18.-23. August durch die Puez Gruppe und dann durch den Naturpark Schlern-Rosengarten. Das Thema „Aufgeschlossenheit“ ist mir auf dieser Etappe besonders in der Landschaft und in Persona von sechs Menschen begegnet. Mir war in der gesamten Region noch zu viel los und ich muss gestehen, dass meine innere Reaktion darauf nicht viel mit Aufgeschlossenheit zu hatte. Ich habe Menschen verurteilt, in Schubladen gesteckt, mich über sie geärgert. Es ist fatal das sagen zu müssen, aber ich vermute an manchen Tagen hat meine Beschäftigung mit der vermeintlichen Unzulänglichkeit anderer Menschen meine Freude über die unendlich beeindruckende Natur überschattet. Ich empfinde es dabei nach wie als völlig inakzeptabel, das Menschen ihren Müll in den Bergen liegen lassen und sich verantwortungs- oder respektlos verhalten. Aber ich kann es eben nicht ändern und vielleicht müsste ich mehr Verständnis aufbringen. Anstatt sie zu verurteilen, sollte ich ihnen wünschen, dass sie mit der Zeit von den Bergen lernen dürfen. Aber da bin ich eben unzulänglich in meiner mangelnden Aufgeschlossenheit.

Es fällt mir hier wirklich schwer, dieses Verständnis aufzubringen. Immerhin habe ich mich manchmal darum bemüht, habe Leute freundlich darauf hingewiesen, dass es vielleicht nicht so sicher ist, wenn das Kind ein Seil um den Bauch hat… habe gefragt warum sich eine Familie den steilen und gefährlichen Anstieg zu dem steinigen Gipfel antut, wenn man doch von unten das Selbe sieht und es auf den Wiesen viel gemütlicher ist. Aber auch das ist ja nicht meine Sache. Bleiben also die Fragen: Warum beschäftigt mich das so übermäßig? Warum gelingt es mir nicht, die Menschen auszublenden und die Berge für mich zu genießen? Oder ist es eben einfach ein Teil von mir, dass mich das beschäftigt und ich es nicht ausblenden kann?

Thomas und Regine, die beiden Physiohelden, die mich zusammengeklebt haben, habe ich als sehr aufgeschlossene Menschen erlebt. Sie haben sich mit allen Leuten unterhalten, waren dabei stets gut gelaunt und offen und haben sich für Alles und Jeden  interessiert. Dabei wirkten sie angenehm unangestrengt. Sie waren mir gegenüber so herzlich und großzügig. Ich freue mich, dass wir das Erlebnis des Piz Boé und auch einige andere schöne Aussichten teilen konnten. Dann sind da noch Oli und Kay, zwei Jungs aus Halle, denen ich auf der Langkofelhütte begegnet bin. Wir waren dann am nächsten Tag auch immer wieder parallel unterwegs, und sind gemeinsam den Klettersteig auf den Plattkofel gegangen. Beide sind sehr aufgeschlossene Menschen, dabei aber von der Energie her ganz anders als Thomas und Regine. Ich habe an ihrer Gesellschaft ihre Ruhe und Bescheidenheit geschätzt, und mich in ihrer Gesellschaft sehr wohl gefühlt. Außerdem hatten wir noch einen lustigen Abend vor dem schrecklichen Tierser Alpl, und haben gemeinsam das Sternbild „Delphin“ entdeckt. Leider habe ich meine Sternkarte dann dort liegengelassen.

Sonam, der mit seinem ganzen Wesen schon Aufgeschlossenheit ausstrahlt, bin ich dankbar für das Bett. Und Alexander, dem Wirt auf der Langkofelhütte für die Offenheit und auch dafür, dass er mich von seinem leckeren selbst gebrannten Schnaps probieren ließ.

Also, es gibt sie, die aufgeschlossenen Menschen. Auch mitten im Trubel. Das ist schön zu wissen. Und meine eigenen Aufgeschlossenheit die kann ich jetzt wieder entfalten, wenn ich in hier in der Ortler Region unterwegs bin, wo so angenehm wenig los ist und die mir, von allem was ich bisher erlebe, so viel sympathischer ist. 


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