25. Tag – Es ist so unfassbar schön!!!

Strecke: Rifugio Dorigoni (2437m) – Cima Mezzena (3121m) – Cima Careser (3186m) – Rifugio Dorigoni (2437m) – Sallent Joch (2965m) – Zufallhütte / Rifugio Nino Corsi (2265m) 

Ich sitze auf einer Bank, oberhalb des gletscherkriostalltürkisen Zufritt Stausees. Zur Zufallhütte ist es beistimmt noch eine Stunde, aber ich will jetzt schreiben und nicht wieder in der lauten Gaststube. Ich bin so glücklich. Ich bin so überaus dankbar, dass ich hier sein kann. Es ist so unglaublich schön, dass ich gleichzeitig lachen und weinen möchte. Und es ist einer der wenigen Momente in denen ich mir wünsche nicht allein zu sein, um all das hier teilen zu können. 

Schon die Nacht war wirklich angenehm und sehr schön. Es war mir nie zu kalt und die Aussicht beim Aufwachen war traumhaft. Die Wolken drückten sich noch im Tal rum und die Berge um mich herum schimmerten rosa. Ich war noch nie so schnell um kurz nach 6 Uhr aus dem Schlafsack geschlüpft, aber das Felsplateau und die aufgehende Sonne riefen mich zum Morgengruß. Wie kitschig das klingt – wie kitschig das war! Ein Traum. Also Yoga mit einmalig schöner Morgenstimmung und dann auf einen Kaffee ins Rifugio Dorigoni. 

Vormittags bin ich ohne Rucksack auf den Cima Careser gelaufen. Mann, hat das gut getan, mal kein Gewicht auf dem Rücken zu haben. Ich bin fast geflogen da hoch. 600 Höhenmeter in einer Stunde und dann noch die Querung oberhalb des Gletschers und nochmal 100 Höhenmeter zum Gipfel. Noch nicht Ueli Steck, aber für mich schon ganz gut, finde ich. Es hat sich jedenfalls phenomenal angefühlt auf dem Cima Careser, der mit seinen 3154 Metern der höchste Gipfel bisher auf dieser Tour ist. Ich konnte schon rüberwinken zum Ortler, der sehr verlockend aussah und mich nun überlegen lässt wie und ob ich eine Besteigung doch noch bewerkstelligen könnte. Wann wenn nicht jetzt? Ich habe eigentlich Zeit. Und aufgrund der Jahreszeit und des Wetters ist noch ganz unklar, wie viele hohe Gipfel ich in der Schweiz noch machen können werde. Naja, ich werde das nachher mal überprüfen. Ich müsste mir alle Ausrüstung leihen, weil meine Steigeisen, Eispickel und Co. kommen ja erst per Post von Sport Conrad für die Sesvenna Etappe.

Jedenfalls bin ich dann vom Gipfel wieder runtergerannt und war nach insgesamt 2,5 Stunden Ausflug wieder bei Lorenzo, Cecilia, Clara und den andern netten Kollegen im Rifugio Dorigoni. Ich habe noch einen Tee getrunken und meine Beine ins Kneippbecken gesteckt und mir von Lorenzo noch ein paar Tourentipps abgeholt. Um 14 Uhr bin ich dann endlich los. Die Tour zur Zufallhütte ist mit fünf Stunden angegeben, aber in meinem Hlöhenflug und Größenwahn ging ich davon aus das „locker“ in drei Stunden zu gehen. Aber dann kam wieder die Schönheit dazwischen. Der Aufstieg (nochmal 600hm) war länger und anstrengender. Ich schiebe das alles auf den Rucksack. Und dann kam noch der Nebel, der alles mystisch aussehen ließ. Oben am Grat angekommen habe ich kaum angehalten, weil es stark gewindet hat. Es ging steil durch blockiges Gelände bergab, an türkisblauen Gletscherseen vorbei, die sogar für mich dann – besonders in Kombination mit dem Wind – nicht mehr zum baden in Frage kamen. Und dann fing ich an, die Steine zu bewundern. Und ab da war die Zeit vergessen. Ich bin nur noch begeistert von einer Steinmusterung zur nächsten gehüpft. Die Farben der Steine sind kräftig, rötlich, gelblich, silbern und die Formen und Maserungen sind so schön, dass ich aus dem Staunen und Fotografieren gar nicht mehr raus kam. Und dann kam noch der tosende Gebirgsnach und ich musste eine Weile dem Wasser zusehen. Jetzt ist es schon 18 Uhr und ich sollte mich beeilen zur Hütte zu kommen. Es reizt mich gar nicht, dort anzukommen. Aber für heute Nacht ist Regen angesagt und da schlafe ich dann wohl doch lieber im Lager. Morge steht eigentlich eine große Etappe mitb Gratweg an, leider sieht es aber gerade so aus als könnte es morgen Nachmittag gewittern. Die Hoffnung bleibt. Und so erfüllt wie ich von diesen letzten zwei Tagen bin, kann ich bestimmt auch eine Nacht unter schnarchenden Menschen ertragen.

Nachtrag am Morgen des 26.: Hier auf der Zufallhütte gab es ohne Witz eine Sauna! Es war fantastisch gestern hier noch zwei Saunagänge eingelegt zu haben. Wegen akutem Blitz und Donner draußen hab ich dann im Lager geschlafen. Der Kaffee hier ist eine Plörre und der Wirt mit seinem Schlagerhumor auch schwer verdaulich. Aber hey, er hat mich auf den Kaffee eingeladen und ist halt einer der alten Riege, die damit bestimmt immernoch auf einer Hütte wie hier viel Popularität genießen. Und bald gehts es ja los. Heute über den Gratweg zwischen Madritschspitz und Eisseespitze zur Schaubachhütte (die furchtbar sein soll, weil sie bei der Gondelstation ist) und dann weiter zur kleineren und schöneren Hintergrathütte. Von dort gehen die Besteigungen des Ortlers los. Ich habe Bergführertelefonnummern und hoffe, dass es morgen oder übermorgen klappt.

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