22. Tag – Endlich schön kraxeln

Strecke: Langkofelhütte (2253m) – Plattkofel (2958m) – Malga del Sasso Piatto (2248m) – Tierser-Alpl-Hütte (2440m)

Die Nacht war kalt. Aber trotzdem sternklar und schön. Ich brauche, spätestens für die Schweiz, einen wärmeren Schlafsack. Mira, meine „Backoffice-Heldin“ bei Sport Conrad, klärt das gerade für mich ab und wenn alles klappt bekomme ich vom aktuellen Schlafsack meiner Träume einfach die wärmere Variante.

Nachdem ich meine Sachen zum Tau trocknen aufgehängt habe, gab es in der Langkofelhütte ein sparsames Kaffeefrühstück. Bei Alexander, dem sehr jungen und total freundlichen Wirt, habe ich mir noch die obligatorischen „Geheimtips“ für die weitere Strecke eingeholt. Trotz der kalten Nacht bin ich dann erstaunlicherweise voller Energie in den Klettersteig zum Plattkofel gestartet. Und der hat richtig viel Spaß gemacht. Hinter mir waren zunächst zwar laute Menschen, die zwanghaft versuchten ihren Hund die steile Wand hinauf zu jagen, aber als der irgendwann abgestürzt war (!) blieben nur Oli und Kay, zwei sehr nette Menschen, die ich am Abend vorher auf der Hütte kennengelernt hatte. Der Fels war schön griffig, der Rucksack störte mich nicht weiter und der Klettersteig hatte genau die richtigen Features für einen morgendlichen Gipfelanstieg.

Am Gipfel (großartige Aussicht) traf ich dann auch Regine und Thomas wieder – große Freude. Zusammen waren wir auf der anderen Seite des Plattkofels noch in der fantastisch schmackhaft und urig original bewirteten Malga del Sasso Piatto, die mir schon Bernhard auf der Schlüterhütte empfohlen hatte. Ich habe mich richtig satt gegessen und das hat sehr sehr gut getan.

Aus einer mittäglich-fresskomatösen Laune heraus entschied ich mich gegen die lange Route mit einem zweiten Klettersteig auf den Kesselkogel. Außerdem ist es mir auch hier, in der Schlern-Rosengarnten Gegend tendenziell noch zu voll und ich hoffe auf ruhigere Gefilde am Ortler. 

Auf dem Weg über Wiesen hinüber zur Tierser-Alpl-Hütte rufe ich ein paar Leute an. Es ist interessant, Kontakt mit Menschen aufzunehmen, die einen ganz anderen Alltag haben als ich. Es fällt mir richtig schwer vorzustellen, wie andere ihren Urlaub mit Parties und der Tingelei durch Städte verbringen, während ich hier über saftige Wiesen laufe, hier und da eine Kuh, ein Schaf oder ein Pferd begrüße und innerlich singe. Nirgends wäre ich lieber als genau hier. Was mich irre freut, ist dass meine Kalifornische Freundin April mich besuchen kommen wird. Sie geht das Wochenende mit mir einen Teil der Ortler-Etappe. Ich freue mich riesig darauf, mit einer Freundin das teilen zu können, was ich hier erlebe.

Die Tiersel-Alpl-Hütte ist vermutlich der Traum jedes Bergkomforttouristen. Und mich schlägt sie fast in die Flucht. Das Essen ist völlig übertrieben teuer, die große Belegschaft trägt „traditionelle“ Uniform und sogar die Toilette kann nur gegen 50 Cent betreten werden. Ich esse eine mittelmäßige Brühe ohne Alles für 4€ und bin froh, dass ich draußen schlafe. 

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