15. Tag – Es fühlt sich an wie Versagen

Strecke: Moos bei Sexten (1339m) – Rotwand Klettersteig – Sextener Rotwand (2965m) – Rotwandwiesenhütte (1924m)

Ich bin irgendwie schlecht unterwegs heute. Keine Ahnung was das ist, ist auch völlig unerwartet. Ich habe keine Ahnung warum mein Körper sich heute so schwer tut. Eigentlich hatte ich mich so auf die Dolomiten gefreut und war noch voll Vorfreude eingeschlafen. Aber schon das Aufstehen fiel mir schwer. Es war so gemütlich und warm im Schlafsack und der Wald war noch so schön ruhig… Aber für den Nachmittag war Gewitter angesagt (von dem hier jetzt keine Spur zu sehen ist, typisch Berge…) und ich hatte eigentlich den Plan nach der Sextener Rotwand noch den Alpinisteig zu machen und auf der Zsigmondy Hütte zu Abend zu essen. Stattdessen bin ich jetzt auf der Rotwandwiesenhütte und wenn der Wirt hier nicht so nett wäre, würd ich jetzt vermutlich irgendwo heulend meinen Schlafplatz suchen…
Aber stattdessen bin ich frisch geduscht (juhu!!), habe endlich mal alle meine Klamotten gewaschen und draußen aufgehängt und mir einen Zwiebelrostbraten bestellt. Ja, ich überlege sogar, ob ich mir hier einfach ein Zimmer leiste und die Sterne mal Sterne sein lasse. Also langsam geht was wieder bergauf. Und zum Glück heute nur noch mental.

Aber was ist eigentlich passiert? Nichts eigentlich. Das ist es ja. Aber schon der Aufstieg aus dem Tal hat sich anstrengender angefühlt, als er eigentlich war. Und der Zustieg zum Rotwandklettersteig bzw. die Strecken zwischendrin durchs Geröll, die waren echt unangebracht hart für mich. Dadurch war ich langsamer und das hat mich wiederum demotiviert. Der Klettersteig selbst war sehr einfach und eigentlich ganz schön, aber schon vor dem Gipfel hatte ich dann Kopfschmerzen und nur weil ich zu faul war heute morgen meine Trinkblase aufzufüllen hatte ich entschieden zu wenig Wasser dabei. Frühstück hatte ich vergessen (…) und so gab zumindestens der Clif Bar und Apfel ein bisschen mehr Energie.

Die Aussicht vom Gipfel der Sextener Rotwand war eigentlich sehr schön, aber nicht mal das hat mich wirklich gekickt. Und dann wusste ich ja, dass ich noch nicht mal die Hälfte der geplanten Strecke geschafft hatte. Beim Abstieg bin ich einem Pfad nach, der aussah (auch auf der Karte) als würde er unterhalb der Rotwand bis zur Elferscharte queren und man könne so direkt zum Einstieg des Alpinisteigs gelangen. Nachdem ich schon ein gutes Stück den unmarkierten Weg bergab gegangen war, verlor sich (oder ich) aber der Pfad und nachdem ein ordentlicher Steinschlag von oben aus der Wand heruntergehagelt war, habe ich dann entschieden nicht weiter zu gehen. Umkehren war natürlich auch nicht prickelnd. Der Rucksack fühlte sich auf einmal doppelt so schwer an und ich hatte soooo Durst. Wie dumm von mir, nach der nicht vermeidbaren Dehydrationserfahrung am Triglav nun eine so leicht zu vermeidende Dehydrierung zu riskieren. Naja. Richtige Entscheidung war es allemal, weil die sichere Variante. Nun verschiebt sich mein Plan ein bisschen aber vielleicht schaffe ich es ja morgen auch bis Mittags auf die Zsigmondyhütte und geh dann am Nachmittag noch weiter. Erstmal muss ich ordentlich dehnen, vielleicht eine Yin Yoga Session (schon viel zu lange her!) und dann vor Allem früh schlafen.

Noch gestern Abend dachte ich, dass es doch erstaunlich ist, dass ich bis jetzt keinerlei „Krise“ hatte und alles so gut läuft und es mir auch energetisch so gut geht. Here we go. So schnell kann es gehen… hoffentlich ist es aber morgen besser.

Das Motto von dieser kurzen Etappe in den Sextener Dolomiten ist „Ehrlichkeit“. Ich war heute erstmal ehrlich mit mir: ich fühle mich nicht voll Euphorie und ich bin nicht unkaputtbar und ich bin nicht stark und ich bin nicht endlos fit. Nein. Ich bin schlapp und habe einfach keine Lust. So. Bam.


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