6. Tag – Donnernde Blaskapellen 

Gut ausgeruht habe ich mich heute morgen auf den Weg gemacht. Es war direkt da, das neue Thema: Atmen. Gleichmäßig, konstant, motiviert und voll Lust an der Bewegung bin ich recht flott losgelaufen. Die Forstwege haben mich nicht weiter gestört, es ging nur mäßig bergauf und ich habe es sehr genossen einfach zu laufen. Die Strecke an der österreichisch-italienischen Grenze entlang führte durch den schönen „foreta di tarvisio“. Alles war saftig grün, die Wege durch die Wälder verwunschen schön und angenehm schattig. Nach 1,5 Stunden stetigem Marsch habe ich eine genüssliche Frühstückspause eingelegt, bei der ich unter ständiger Beobachtung von mindestens zehn Kühen stand. Erstaunlich wenig Menschen habe ich unterwegs getroffen. Ich dachte, dass in der Hochsaison hier auf dem Karnischen Höhenweg, der einzigen Etappe die ich „by the book“ gehe, die Hölle los sein würde. 

Laut Wetterbericht sollte es ab 11 Uhr gewittern. Deshalb hatte ich mir vorgenommen bis dann am Nassfeld anzukommen um mich ggf. unterstellen zu können. Die metallhaltige Erde macht Gewitter in dieser Region besonders gefährlich, und ich habe keine Lust gegrillt zu werden.

Um 11 Uhr strahlte immernoch der blaue Himmel und ich änderte meinen Plan und nahm mir vor bis zum italienischen Biwak, ca. 1,5 Stunden westlich vom Nassfeld zu gehen. 

Das Nassfeld konnte man schon von Ferne hören. Mein Horror: Blasmusik. Als ich oben über den Sattel kam, schallte mir diese gleich aus mehreren Richtungen entgegen und so beschloss ich das Nassfeld über die … zu umgehen. Ungefähr auf halbem Weg begann der Himmel sich zu verändern. Hier oben geht das dann ganz schnell, also legte ich einen Zahn zu. Als ich bei der Passstraße ankam, war es wirklich schwer einzuschätzen, wie lange das Wetter noch halten würde. „Better safe than sorry“ entschloss ich mich schweren Herzens in die einzige Alpenvereinsunterkunft des Nasstals zu gehen. Zu meinem Schreck stellte sich heraus, dass ausgerechnet dort das Epizentrum der Blasmusik lag. Es wurde, mit Bürgermeister und allen andern Local Heroes der Almkirchtag gefeiert. 

Das Wetter war noch immer passabel und ich dachte nur: wehe das gibt nicht einen ordentlichen Sturm hier, sonst muss ich das alles umsonst aushalten. 

Aber er kam. Mit Pauken und Trompeten. Mit Hagel, Sturm, Blitz und Donner. Es schüttet draußen noch immer. Inzwischen sind die feierwütigen Almkirchler nach dem 50. „ein Prosit“ auch abgereist und es ist ruhig geworden. Und ich bin jetzt froh hier drin zu sein und nicht irgendwo nass im Regen. Außerdem konnte ich Wäsche waschen und endlich mal wieder ausführlich schreiben.

Morgen geht es weiter, hoffentlich wieder mit der Sonne im Rücken. Die Vorhersage ist positiv. Und wenn der Schmerz in meinem Oberarm von der Zeckenimpfung endlich mal nachlassen würde, dann könnte ich mich jetzt auch ganz unbeschränkt auf morgen freuen. 




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