5. Tag – Ein Jäger, seine Frau und ein Federbett

Strecke: Jasna See bei Kranjska Gora (908m) – per Autostopp über den Wurzenpass nach St. Stefan im Gailtal – Egger Alm (1422m)

Was für ein Tag. Es fing traumhaft an, mein Schlafplatz am Fluss, eine ausgedehnte Yogasession, Wäsche waschen, Kaffe bei Milka. Dann nochmal See-Hüpfung, und schließlich, dummerweise in der Mittagshitze, losgetrampt. Das war gleich schon von Anfang an wenig erfolgreich. Ich weiß nicht, woran es lag, aber ich habe für die knapp einstündige Autostrecke, mit einem Stopp im Supermarkt und viel Fußweg über fünf Stunden gebraucht. 

Ursprünglich war der Plan gewesen von Thörl-Maglern zu starten. Wegen der späten Stunde entschied ich mich dann, erst ab St. Stefan loszugehen. Es war schon 19 Uhr, als ich endlich loslaufen konnte. Im Tal und den Ortschaften habe ich noch nach einer Pension gesucht. Es war klar, dass ich es nicht mehr bis zur Alm schaffen würde und ein Gewitter war auch im Anmarsch. Aber keine Chance, alles hatte zu oder war sehr unfreundlich. Kärnten zeigte seine Zähne. 

Ich also los, Mücken zum trotz, mit dem etwas bekloppten Plan irgendwo unterwegs einen einigermaßen sicheren Platz zum biwakieren zu finden. Keine Chance. Der Forstweg zog sich, es wurde dunkel. Schließlich war ich so platt, dass ich einfach am Wegrand mein Biwak aufgebaut habe. Und just, als alles fertig war, kam von oben ein Jeep. Mist. Ich noch recht leicht bekleidet (es war sau heiß), schnell panisch was übergeworfen, Zeug zur Seite geworfen und da stand ich wie ein Schulkind am Wegesrand und sah die Kritik auf mich zurollen. „Wos werd’n des?“ sagt er und ich bekomme erstmal eine Ansprache, wie gefährlich das sei und Gewitter im Anmarsch und „unmöglich“. Aber dann, als ich frage ob er denn einen Tipp habe, wo ich hinkönnte, geht ein Telefonmarathon bei ihm los. „Des werd ma scho, des muaß ja!“ Alle anderen Telefonenden lehnen ab. Freundliches Kärnten. Er nimmt mich also mit, räumt sein Gewehr auf die Rückbank, ruft kurz daheim an und sagt dem Sohn er solle die Gäöstematratze ins Jagdzimmer legen. Ich werde immer kleiner auf dem großen Beifahrersitz. Mir ist das alles furchtbar peinlich und gleichzeitig finde ich es hochkomisch. Aber es kommt noch besser. Angekommen bei Jägers Heim, in Empfang genommen von den Kindern: „Host wos g’schossn Papa?“ „Na, aber wos g’fangen…“ sagt er mit Blick auf mich. Seine Frau ist nirgends zu sehen. Dann wird im Jagdzimmer voller Geweihe und ausgestopfter Tiere mein Bett gemacht. Er sagt noch, dass er mir organisieren kann, dass mich der Wirt Alb nächsten Tag mit dem Auto mit auf die Alm nimmt, damit ich nicht so viel Zeit verliere. Er bietet mir an zu duschen, ich freu mich riesig und nehme das Angebot an. Als ich aus der Dusche wieder runter komme sagt er, er müsste mich jetzt doch woanders hin fahren, man sei hier dagegen, dass ich bliebe… Ich also Rucksack wieder rauf, die Kinder kommen mit, wir fahren los zur Alm. Unterwegs telefoniert er mit den Wirtsleuten und macht mir ein Zimmer klar. Irre nett! Er sagt immer wieder, dass sowas ja nicht sein kann. Er meint damit seine Frau, die anscheinend wirklich was dagegen hatte, dass ich im Jagdzimmer übernachte. Er sei halt ein „Zuagroasta“ und da merkt man das ja wieder, die haben „alle keine soziale Ader hier“. Den Kindern ist es auch peinlich. „Voll peinlich, was wär denn wenn der mal was passiert und sie Hilfe braucht? Und du bist ja kein bärtiger Mann oder so…“. Außerdem sind sie sehr neugierig. Wollen wissen ob ich einen Freund habe, ob ich nachts draußen keine Angst hätte und wieviel Geld ich dabei habe. 

Auf der Egger Alm angekommen, zeigt mir Alexandra, die supernette Wirtin mein traumhaftes Zimmer mit Federbett. Das Gewitter kommt nicht. Aber ich schlafe selig und tief.

Übrigens: Es war so gefährlich dort wo ich mein Biwak gebaut hatte, weil es bei Regen dort immer wieder massive Erdrutsche gibt. Das hatte ich nicht bedacht. Ausgerechnet da wo ich lag, war wohl schon ein paar Wochen vorher mal ordentlich was runtergekommen. Ich hätte keine Chance gehabt, sagte der Jäger. Also Glück gehabt. Kein Biwak, kein Gewitter aber eine schöne Geschichte.

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