Teil 3: Physische und psychische Nachhaltigkeit oder: Ich bin ein Hybrid

Auch dem Körper genug Zeit für Regeneration, und den Emotionen für die Verarbeitung zu lassen, empfinde ich inzwischen als einen wichtigen Aspekt der Nachhaltigkeit. Gerade dann, wenn man sich physisch und psychisch – also menschlich – weiterentwickeln will. Wie ich versuche meinem Ego zu begegnen und das eigene Maß zu finden, darum geht es in diesem Beitrag.

Mein Körper wird über den beruflichen Verlauf eines Jahres sehr unterschiedlich beansprucht. Vereinfacht gesagt bin ich entweder täglich viele Stunden draußen physisch aktiv (während einer Expedition) oder ich sitze stundenlang drinnen und die Bewegung findet ausschlielich in meinem Gehirn und meinen Fingern statt (wenn ich ein Buch schreibe). Im Gegensatz zu den meisten Berufen, in denen das Gewicht deutlicher entweder in der einen oder in der anderen Waagschale liegt, bewege mich zu gleichen Teilen, aber in je intensiven und langen Phasen, in Beiden.

Das macht mich oft nicht nur glücklich, sondern auch einsam. Denn ich bewege mich dabei in zwei, sich zuweilen für mich einander sehr fremd empfundenen Welten: Weder fühle mich den Bergsportlerinnen, noch den Intellektuellen voll und ganz zugehörig, sondern beiden. Ich kann eben nicht anders: ich bin ein Hybrid.

Ich werde durch mein Hybriddasein immer aufmerksamer auf die Mängel, die hervorgerufen werden können, wenn entweder die geistige oder die körperliche Komponente zu kurz kommt. Die jeweiligen Folgen sind bekannt.

Für mich gehören dazu Intoleranz, Sexismus, Trägheit und auch einige Krankheiten. Unter den überwiegend intellektuell tätigen Menschen in meinem Umfeld beobachte ich manchmal ein oft unbewusstes, aber geradezu märtyrerhaftes Opfern der eigenen Gesundheit zu Gunsten eines temporären Erfolgs. Bei den überwiegend (berg-)sportlich tätigen Menschen um mich herum frage ich mich hingegen zuweilen, wann sie zuletzt wirklich mal über den bayerischen Tellerrand geschaut haben. Ich leide auch darunter, dass die Errungenschaften der Gleichberechtigung von Frauen und der damit einhergehende Respekt stellenweise – zumindest bisher – spurlos an ihnen vorübergezogen zu sein scheint.

Die Erkenntnisse aus meinen Beobachtung inspirieren mich zu Veränderungen in meinem eigenen Verhalten. Bei übermäßiger körperlicher Beanspruchung nehme ich mir nun ganz bewusst die Zeit, um beispielsweise zu schreiben oder Gespräche zu führen. Das führt bei mir zu Möglichkeiten der Reflektion über mein Verhalten und dient gleichzeitig als wertvolle Zeit der körperlichen Regeneration. Aber es ermöglicht mir auch, die Intensität der körperliche Aktivität in Relation zu setzen, und bewahrt mich als ehrgeizige und leistungsorientierte Frau auch mal davor, krampfhaft zu übertreiben. Die Pausen sind wichtig um zu lernen, dem eigenen Körper und seinen Bedürfnissen zuhören zu können, was nicht nur zu gesünderem Sport führt, sondern letztlich sogar zu mehr Leistung.

Während ich dieser Tage vor Allem an meinem neuen Buch arbeite merke ich deutlich, dass es mir bald schlecht geht, wenn ich mich nicht wenigstens einmal am Tag bewege. Gerade hilft mir dabei vor allem Yoga, Klettern oder Skifahren, also lauter Sportarten, die den Kopf frei machen. Selbst an Tagen, an denen ich das Gefühl habe, durchgehend tippen zu müssen, weil ich sonst mein selbst gesetztes Pensum nicht schaffe, hat sich für mich bewiesen, dass ich auf den gesamten Tag gerechnet produktiver bin, wenn ich mich zwischendrin mal draußen bewegt habe. Das muss nicht einmal besonders lang oder intensiv sein um dafür zu sorgen, dass ich im Anschluss wieder ruhig und konzentriert weiterarbeiten kann.

Vermutlich ist alles was ich hier nun geschrieben habe eigentlich ganz selbstverständlich. Aber genau wie beim Einkaufs- oder Reiseverhalten gilt auch hier, dass der nachhaltige Umgang eben oft eine Umstellung der Gewohnheiten erfordert. Wenn der Durchbruch mal geschafft ist, – so meine Erfahrung – dann lebt es sich wirklich leichter, gesünder und mit mehr Freude.

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