Teil 2: Fußabdruck der Reisen – nah und fern

Ich nehme meine eigenen Reisen und meine Fortbewegung als Beispiel, um über Möglichkeiten und Herausforderungen eines reduzierten ökologischen Fußabdrucks zu sprechen.

Wie geht das zusammen, (Fern-)Reisen und Klimaschutz? Auch für mich ist das Thema nicht einfach, aber es gibt doch eine Menge kleiner Stellschrauben im Bewusstsein, die später – so zumindest empfinde ich das – einige Entscheidungen deutlich erleichtern.

Ich würde sagen, dass ich in meinem Leben schon ganz gut rumgekommen bin. Dabei bin ich oft geflogen, nicht nur beruflich. Ich muss zugeben, dass mir das tatsächliche Ausmaß des Schadens, den ich mit einem Flug anrichte, nicht bewusst war. Ich hätte sonst hoffentlich früher schon häufiger die Notwendigkeit einer Flugreise abgewägt. Wirklich eingeschlagen hat bei mir die Berechnung des CO2 Fußabdrucks von meiner Reise in die USA. Mit einem Schlag habe ich mein Jahresbudget (lt. Pariser Klimaabkommen) von fast zwei Jahren verbraucht:

Die Rückreise aus den USA im Juni diesen Jahres habe ich in Folge dessen zu meiner letzten Flugreise erklärt. Zunächst wirkte das wie ein Verzicht: Heißt das jetzt, ich kann nie wieder nach Südamerika reisen? Dann hat sich meine Wahrnehmung aber bald ins Gegenteil gewendet: Ich empfinde es jetzt als eine spannende Herausforderung, auch bei zukünftigen Projekten die weit entfernt sind, alternative Wege für die An- und Abreise zu finden und diese als selbstverständlichen Teil des Erlebnisses zu verstehen.

Was dem im Weg steht, ist die Diktatur des Zeitdrucks. Sie ist ein gesellschaftliches Phänomen und wir können ihr nur begegnen, wenn wir Gelassenheit üben. Ich sehe das ganz pragmatisch: Wann geht es mir selbst im Umgang mit Zeit gut? Und inwiefern profitieren auch meine Mitmenschen und die Umwelt davon, wenn es mir gut geht? Geht es mir wirklich besser, wenn alles schnell geht? Oder eher, wenn ich mal einen Gang runterschalte? Bin ich schneller wirklich produktiver? Und letztlich beim Urlaub: Kommt es wirklich darauf an, viele Kilometer zurückzulegen, um in der Entspannung ankommen zu können?

Beim Reisen geht es mir jetzt ähnlich wie mit den Lebensmitteln: Ich bekomme ohne Fliegen ein natürlicheres Verhältnis zu den zurückgelegten Distanzen, den Städten, Landschaften oder gar Ländern unterwegs. Für mich persönlich ist das ganz klar eine Wertsteigerung der Reise an sich.

Problematisch finde ich hingegen den Begriff „Flugscham“, der gerade überall grassiert. Meiner Meinung nach geht er entscheidend am Ziel vorbei, weil er, wie so oft bezüglich Nachhaltigkeit, einen negativen Verzicht, schlechtes Gewissen oder Fehlverhalten suggeriert. Was dabei völlig fehlt ist die Tatsache, dass Klimaschutz ja in unserem eigenen Interesse ist. Wenn wir Zeit damit verbringen, uns selbst etwas Gutes zu tun (Sport, Spazierengehen usw.), haben wir dabei ja auch keine „Scham“ all dem gegenüber, was in der Zeit auf der Strecke bleibt, denn wir wissen (hoffentlich), dass es wichtig ist, um gesund weiterleben zu können. Ich plädiere also dafür, Klimaschutz als Selbstschutz zu verstehen. Ich glaube nämlich, dass wir nur dann die ganze negative Konnotation loswerden können und endlich anfangen, das klimafreundlichere Leben zu genießen.

Nach meiner Rückkehr aus den USA habe ich mir einen gebrauchten Elektrovan gekauft und ihn mir (weitesgehend ebenfalls mit gebrauchten Materialien) zum Minicamper ausgebaut. Ich hatte eigentlich vor, hier viel über die Pro und Contra der Elektromobilität zu schreiben, aber es gibt dazu bereits viele sehr gute Artikel. Besonders empfehle ich den wissenschaftlichen Bericht „Cleaner Cars from Cradle to Grave“ in dem es um die umstrittene Aufrechnung der CO2 Bilanz auf die Lebensspanne des Elektroautos geht. Mir ist inzwischen auch klar, dass E-Mobilität allein in Zukunft keine flächendeckende Lösung ist, aber es ist ein erster Schritt, der auch dazu beiträgt, Bewusstsein zu schaffen. Mein persönlicher Ansatz ist hier durchaus auch etwas egoistisch: ich will einfach während ich fahre, keinen Dreck in die Luft pusten.

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Zuletzt noch ein Tipp: Um einen Eindruck der persönlichen CO2 Bilanz im Alltag zu bekommen, empfehle ich den Rechner vom Umweltbundesamt, weil man dort nicht nur fast alle Lebensbereiche eingeben kann und somit überhaupt einmal ein Gefühl dafür bekommt, was alles CO2-Emissionen verursacht, sondern weil man dabei üben kann, mit dem eigenen Verbrauch ehrlich umzugehen und Ideen entstehen können, wie man die eigene Bilanz gegebenenfalls verbessern kann.

Eine Antwort auf „Teil 2: Fußabdruck der Reisen – nah und fern“

  1. Vielen Dank das du dich diesem Thema annimmst und mögliche Lösungswege aufzeigst. Ich habe zwei Jahre meine Ferien im Inland genossen bevor ich anfangs Jahr für eine Längere Reise nach Amerika aufgebrochen bin. Die Atlantiküberfahrt habe ich per Schiff gemacht und so einiges an Treibhausgasen vermieden im Vergleich zu einem Flug. Doch schlussendlich ist es sehr schwierig sich über lange Strecken zu bewegen ohne grosse Umweltschäden. Das geht wohl nur zu Fuss, per Fahrrad oder mit dem Segelschiff. Das braucht natürlich Zeit. Daher ist es umso wertvoller wenn man Freude in seiner nahen Umgebung findet und da glücklich wird. Doch es ist für mich schwierig diesen Drang die ferne Welt zu sehen nicht zu befriedigen. Ich persönlich habe ich mich entschlossen nun eine mehrjährige Reise durch Nord- und Südamerika zu machen und dafür nachher wieder in kleinen Schritten in Europa unterwegs zu sein. So kann ich auf alle Fälle alljährlich wiederholende Fernflüge vermeiden.
    Liebe Grüsse
    Elias

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