Teil 1: Lebensmittel – Mittel zum Leben

Alles was im Alltag benötigt wird fasse ich als Lebensmittel zusammen. Es geht in diesem Beitrag um Qualität und Quantität, um Wertschätzung und Geldwert und nicht zuletzt ganz konkret ums „richtige“ Einkaufen und Möglichkeiten das eigene Geld für Nachhaltigkeit arbeiten zu lassen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es oft meist die Gewohnheit (oder auch Faulheit) ist, die mich davon abgehalten hat, mein Verhalten zu ändern. Das Gute dabei: Wenn man diese einmal geändert hat, bleibt die neue Gewohnheit ebenso gut hängen ;-).

Essen und Trinken

„Erde, die uns dies gebracht, Sonne die es reif gemacht: liebe Sonne , liebe Erde, euer nie vergessen werde.“

In meinem Elternhaus ist es üblich, dass wir vor dem Essen einen Moment gemeinsam innehalten um das zu wertschätzen, was wir haben. Dazu gehört der oben zitierte Spruch. Wenn ich wertschätzen kann was ich habe, wenn ich auch der Dankbarkeit für Lebensmittel in meinem Leben Raum gebe, fällt der respektvolle Umgang mit der Umwelt, die sie schafft leichter.

Auch der bewusste Einkauf verändert mein Verhältnis zu Lebensmitteln, die ich nicht nach Quantität (mehr für billiger) auswähle, sondern zunehmend nach Qualität (weniger, dafür mit mehr Genuss). Nun kann man einwenden, dass man sich das leisten können muss, und Bioprodukte sind leider nach wie vor teurer als konventionelle Ware. Aber ich habe an mir beobachtet, dass ich nur unwesentlich viel mehr Geld ausgebe. Denn ich überlege jetzt genauer was ich brauche, ich kaufe deshalb meist weniger ein und ich verwerte alles. Das hat dazu führt, dass ich nie Lebensmittel wegwerfe.

Geholfen hat mir das einkaufen im verpackungsfreien Supermarkt, wo ich auch kleine Mengen kaufen kann. Nun hat nicht jede*r hat das Glück einen verpackungsfreien Supermarkt um die Ecke zu haben. Aber sowohl in der Stadt als auch auf dem Land gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, z.B. Märkte, um der massiven Plastikverpackung und der mit ihr einhergehenden Entfremdung von unseren Nahrungsmitteln aus dem Weg zu gehen. Zumindest kann man sie vermindern und sich zudem an lokale Produkte und saisonale Frischware halten, um weite Transportwege nicht zu unterstützen. Meistens braucht man für Obst keine Tüten, und wer noch keine kleinen Stoffbeutel hat, kann die Papiertüten von Brot aufheben und wiederverwenden.

Ich liebe Avocados. In Mexiko, am Ende meiner Reise mit dem Colorado River, habe ich frische und lokal geerntete Avocados gegessen und habe das sehr genossen. Seit ich zurück bin, verzichte ich auf die schöne Frucht, beziehungsweise leiste ich sie mir vielleicht nur einmal zu einem besonderen Anlass. Gründe gibt es dafür leider viele. Für mich hat es vor Allem mit dem immensen Wasserverbrauch zu tun: Eine einzige Avocado braucht in der Produktion mehr als 70 Liter. Seit dem Projekt am Colorado River habe ich ein sehr anderes Verhältnis zu Wasser… aber das ist noch ein Thema für sich.

Milch, Quark, Joghurt und Sahne gibt es auch häufig im Pfandglas, man muss nur danach schauen und ggf. den Discounter auslassen. Käse, Wurst und Fleisch kann man sich in mitgebrachte Behälter packen lassen (hier mehr zum rechtlichen (LMHV)).

Fleisch? Wurst? Sowas isst du noch? Natürlich ist inzwischen weithin bekannt, dass es für das Klima (und ggf. auch für den Tierschutz) am Besten ist, sich Fleisch abzugewöhnen. Ich habe meinen Fleischkonsum stark reduziert und achte hier besonders auf die Herkunft. Wenn ich nun aber beispielsweise in den Alpen in der Jagdsaison ein Hirschgulasch esse, schade ich damit wohl kaum dem Ökosystem. Ich bin hier, wie meistens, gegen Verbote oder dogmatische Vorschriften und dafür, selbst aktiv mitzudenken und sich entsprechend zu verhalten.

Was ich mir inzwischen abschminken musste ist mein Argument, dass ich als Sportlerin die Energie brauche, die mir Fleisch gibt. Inzwischen gibt es viele, auch körperlich sehr aktive Menschen und sogar Profisportler (s. „The Game Changers“), die ihre physische Leistung ohne tierische Produkte sogar signifikant steigern konnten.

Trinkt mehr Leitungswasser! Eigentlich sollte uns inzwischen allen klar sein, dass es überhaupt keinen Grund gibt, Wasser in Flaschen zu kaufen. Egal ob aus Glas oder Plastik. Das Wasser aus unserem Hahn ist in unseren Breiten einwandfrei und die einmalige Investition in einen Trinkwassersprudler lohnt sich, wenn man Sprudel will. Ich fühle mich gesünder, seit ich fast ausschließlich Wasser trinke.

Putzen und Waschen

Daheim hat es über ein Jahr gedauert, bis ich die angesammelten Reinigungsmittel aufgebraucht hatte, und manche habe ich noch immer. Aber ich kaufe keine neuen mehr. Ich habe mal in Frage gestellt, warum man wirklich für Fenster, Geschirr und Bad unterschiedliche Reinigungsmittel braucht und festgestellt, dass das Quatsch ist. Ein Konzentrat (Essig, Zitronensäure, Alkohol) reicht meistens, weil es unterschiedlich verdünnt verwendet werden kann. Außerdem spart es Platz und Plastik. Die Chemie im Wasser ist logischerweise auch ungut. Online gibt es zahlreiche Rezepte um Reinigungsmittel mit einfachen Zutaten selbst herzustellen.

Ausnahme dabei ist das Waschmittel, das ich mir allerdings im verpackungsfreien Supermarkt abfülle. Die Wäsche stecke ich in einen Guppyfriend-Waschbeutel, um Mikroplastik im Abwasser zu verringern.

Taschentücher sind noch so eine Kleinigkeit, die unnötigerweise in Plastik stecken. Wenn man auf die feinen alten Stofftaschentücher nicht steht, dann gibt es immernoch die Spenderboxen aus Pappe, die es inzwischen auch ohne Plastik gibt.

Körperpflege

Ähnlich ist es mit Kosmetik. Früher hatte ich immer mehr Kosmetikprodukte zu Hause, als ich gebraucht habe, weil sie sich einfach angesammelt hatten. Ich habe aufgehört mir unterwegs „nebenbei“ oder „auf Reserve“ etwas zu kaufen, denn so häufen sich die Kosmetika an. Wenn man mal drauf achtet merkt man erst, wie schnell man sich von Werbung oder einem Angebot kurzfristig überzeugen lässt, auch wenn man dachte, dagegen immun zu sein…

Mein Duschgel usw. fülle ich mir im verpackungsfreien Supermarkt ab. Dort kaufe ich auch unverpacktes Klopapier, auch wenn das wirklich beknackt teuer ist. Auf Zahnpasta zu verzichten und diese kleinen Tabs zu benutzen ist mir bislang nicht gelungen, ich mag die einfach nicht.

Geld ist Macht

„Money makes the world go round“. Trotzdem hat es eine Weile gedauert, bis ich angefangen habe mir Gedanken darüber zu machen, wie „nachhaltig“ mein Geld eigentlich ist. Meist hat man nur wenig Geld in bar dabei, der Rest liegt bei der Bank. Aber liegt das Geld dort wirklich und wartet auf mich? Natürlich nicht. Banken vergeben Kredite. Vergibt meine Bank mein Geld vielleicht als Kredit an klimaschädigende Unternehmen?

Da bin ich auf den Fair Finance Guide gestoßen, der über die Kredit- und Anlagepolitik von Banken informiert und sie nach Fairness (Menschenrechte, Umweltschutz, Klimaschutz usw) bewertet. Fast alle deutschen Banken finanzieren beispielsweise Rüstungsunternehmen mit. Aber es gibt bekanntermaßen auch ein paar nachhaltige Banken, wie die GLS Bank, Umweltbank oder Ethik Bank. Ich habe mich für die tomorrow Bank entschieden, weil sie modern und online ist und das Geld direkt in Projekte fließt, die ich auswählen kann (ich profitiere nicht von dieser Nennung). Der Wechsel war super einfach. Natürlich habe ich meine alte und intransparente Bank informiert, warum ich wechsle…

Grün Versichern

Nachdem ich mir dessen bewusst geworden bin, wofür mein „passives“ Geld alles so ohne mein Wissen verwendet werden kann, habe ich mir mal angeschaut, wo sonst noch regelmäßig Geld von mir hingeht. Natürlich bin ich da schnell auf die Versicherungen gekommen.

Bisher habe ich, zugegebenermaßen, nur meine Autoversicherung (gebrauchter Elektrovan) auf „grün“ gestellt, werde aber sukzessive auch meine anderen Versicherungen umstellen und das jeweils mit einem Gespräch verbinden, wo ich frage wie z.B. meine aktuelle Krankenkasse zu Nachhaltigkeit steht. Immer spannend.

Hilfe dazu kann man beispielsweise von der gemeinnützigen Greensurance Stiftung bekommen, mit der ich bei meiner KFZ-Versicherung sehr gute Erfahrungen gemacht habe. Greensurance hat Rahmenbedingungen mit Versicherern gemacht, in denen diese sich zu einer nachhaltigen Verwendung des Geldes verpflichten. Greensurance selbst wirkt dann als Mittler zwischen Kunde und Versicherer.

Zugegeben, ideal ist das alles noch nicht. Aber es ist ein Anfang, und wir können damit Impulse setzen.

3 Antworten auf „Teil 1: Lebensmittel – Mittel zum Leben“

  1. Du sprichst mir aus dem Herzen, besonders bei den Lebensmitteln, die Mittel zum (guten) Leben sein sollten! Wobei es nicht nur eine Sache des Herzens ist, sondern auch des Verstandes, was ich zu mir nehme: ein „LEbensmittel“, das in erster Linie produziert wurde, um Gewinn zu machen, oder ein Lebens-Mittel, das schon durch die Art seiner Herstellung wirklich Leben vermittelt. Ich wünsche dir die Kraft und die Zeit, um weiter zu machen mit deinem Blog und um Menschen zu animieren, wirklich zu leben.

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