Unterwegs mit nachhaltiger Kleidung

Immer wieder erlebe ich in letzter Zeit ein Dilemma: als Bergsportlerin bin ich Konsumentin von Produkten einer Industrie, die an vielen Stellen in krassem Widerspruch zu eben der Natur agiert, in der ich unterwegs bin.

Ich bin Teilnehmerin der “Outdoor-Industrie”. Aber unter Industrie stelle ich mir düster rauchende Fabrikschlote vor, bei Outdoor denke ich hingegen an meine geliebten Berge, an das draußen sein, an frische Luft. Wie soll das zusammen gehen?

In meinem neuen Beruf als Autorin und gesponserte “Athletin” stehe ich immer wieder in der Öffentlichkeit und werde anscheinend von dem Einen oder der Anderen als Vorbild wahrgenommen. Umso wichtiger wird für mich also die Frage: Was will ich hier eigentlich vertreten? Und was kann ich beitragen?

Bei meinen Partnern ist mir sehr wichtig, dass sie sich Nachhaltigkeit nicht nur auf die Fahne schreiben, sondern sich auch tatsächlich dafür engagieren. Dazu gehört sowohl ein ehrlicher und realistischer Umgang mit den Grenzen des aktuell machbaren, als auch die aktive Suche nach produktiven und innovativen Lösungsansätzen. Eigentlich ist es logisch, dass hierbei die Natur selbst das unerschöpflichste Vorbild und der inspirierendste Lehrmeister sein kann. Mein Partner Vaude hat das erkannt und kürzlich beispielsweise die kleine aber feine “Green Shape Core Collection” herausgebracht. Sie ist „ecofair“, was bedeutet, dass sie von der Materialgewinnung bis zur Verarbeitung, also entlang der kompletten Lieferkette auf umweltschonende Prozesse und faire Arbeitsbedingungen achtet. 90% der vielfältigen textilen Materialien dieser Produkte sind biobasiert (z. B. aus Kapok, Rizinusöl oder Kuhmilch), recycelt oder reine Naturmaterialien und damit sogar kompostierbar.

Schon klar, da spreche ich natürlich jetzt über Produkte meines Sponsors, aber wenn ich das nicht toll finden würde, was die machen, dann wäre ich auch nicht da (!!). Und so bekomme ich diese Entwicklungen mit und es fasziniert mich, wie viel hier offensichtlich möglich ist. Sicher gibt es auch andere Firmen, die sich diesbezüglich engagieren.

Praktisch habe ich mich natürlich gefragt, ob diese Sachen auch die nötigen Funktionen erfüllen? Denn sonst wäre es natürlich eine schöne Idee, aber trotzdem witzlos. Aus der Kollektion von Vaude habe ich ein paar Teile seit ein paar Wochen in verschiedenen Situationen genutzt. So beim Snowboarden, Wandern, Langlaufen, Yoga und auf Skitour. Und diese vielseitige Nutzung ist Teil des Konzepts. Denn auch wenn es natürlich extreme Bereiche im Sport gibt, bei denen sich eine sehr spezifische Ausrüstung lohnt, so beschränkt sich das doch eigentlich auf Berufssportler. Mal ganz ehrlich: Wie oft bist du so extrem unterwegs? Und wieviel von deinem Bedürfnis nach der absoluten Topausrüstung entspringt eigentlich dem Wunsch so “extrem” zu sein, oder sich darin eben noch wohler zu fühlen? Hast du schonmal den eigenen Konsum hinterfragt und herausgefunden, wie viel von der Begründung für die neue Jacke eigentlich in ihrem Style, einer weiteren netten Funktion oder dem Bedürfnis einfach mal wieder was Neues zu haben liegt? Ich bin davon ja auch nicht frei, in keinster Weise. Ich will schöne Sachen tragen, die gut funktionieren. Aber mein Bewusstsein für werthaltigen Konsum wächst mit dem Wissen über die Schäden, die unsere vielen Produkte für Mensch und Natur langfristig verursachen.

Ich selbst finde es tatsächlich nicht nur platzsparender und günstiger, sondern auch schlichtweg schöner, nicht fünf verschiedene Jacken zu Hause haben zu “müssen”. Irgendwie tut es gut, sich dem Wettlauf um höher, schneller, weiter zu verweigern und anstatt auf weitere Gewichts- und Wassersäulenoptimierungen lieber auf vielseitig einsetzbare, lang haltende und stilistisch zeitlose Produkte zu setzen.

Und das ist es, was mir an den Sachen gefällt. Egal ob in den Bergen oder in der Stadt: Sie fühlen sich auf der Haut ausgesprochen angenehm an, stinken nicht und sind auch nach der zweiten Wäsche noch gut in Form. Sie funktionieren bei Regen, Wind und Kälte, aber kommen auch mit der Hitze vom Körper bei Bewegung gut klar. Zu ihrer Haltbarkeit kann ich zwar noch nichts sagen, aber bisher bin ich zufrieden.

Bei meinen langen Projekten trifft es für den Inhalt meines Rucksacks meistens zu: weniger ist mehr. Das kommt zunehmend auch in meinem Alltag an und ich frage mich immer öfters bevor ich etwas kaufe, ob ich es wirklich brauche. Allein dadurch verändert sich schon meine Haltung und nicht zuletzt auch mein Haushalt. Für mich ist das ein logischer Zusammenhang: Wenn man gern draußen unterwegs ist, sollte man sich darüber Gedanken machen, was man dazu beitragen kann, dieses “draußen”, sei es am Berg, im Wald, auf dem Wasser oder in der Wüste, zu schützen. Und man merkt, wie wenig eigentlich notwendig ist.

Je größer mein Verständnis über das eigene Konsumverhalten wird, umso leichter fällt es mir, bewusster zu konsumieren und zu handeln. Denn der Zusammenhang zwischen allen Dingen und zwischen meinem Verhalten und den gesellschaftlichen Strukturen in denen ich lebe wird immer offensichtlicher. Ich empfinde es als sehr wertvoll, mich als Teil des ganzen zu verstehen und es bereichert mein Leben auf eine Weise, die mich glücklich macht.

Danke für die Fotos an Anne Kaiser

2 Replies to “Unterwegs mit nachhaltiger Kleidung”

  1. Liebe Ana,
    einen richtig spannenden und liebevoll gemachten Blog hast du hier. Die ganzen Umweltthemen wie (Mikro-)Plastik und Klimawandel beschäftigen mich seit einigen Jahren auch immer mehr. Der Spagat zwischen Naturverbundenheit einerseits und Funktionskleidung auf der anderen Seite ist nicht einfach, nicht nur die Produktion von synthetischen Stoffen ist schädlich sondern auch wenn z.b. sich beim Waschen Kunstfasern lösen.
    Und dass so viele Menschen sich für diese großen Themen – wie die Erderwärmung und Verschmutzung – nicht interessieren wird Ihnen vielleicht eines Tages zum Verhängnis.
    Liebe Grüße aus dem Norden!
    Ps. Deinen Auftritt heute bei Lanz fand ich super und sehr authentisch?? (ich arbeite da in der Technik)

  2. Hallo Ana, ein authentischer und gelungener Artikel. Bewahre Dir Deine Glaubwürdigkeit. Ich freue mich schon, wieder von Deiner nächsten Tour zu hören/ lesen. Alles guten Wünsche.
    Gruß Ralf

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